Streit mit meiner Chefin, die ersten Tage auf der Farm & Steht einfach mal zu euch! #5

Montag, 16.10

Es war zu erwarten, dass die Laune unserer Chefin heute nicht gut sein würde. Wir haben uns sozusagen schon darauf eingestellt. Egal was falsch war, ob etwas falsch beklebt, aussortiert oder eingepackt war. Wir waren Schuld. Ich versuchte mich einfach zusammenzureißen. Jeder hat ja mal schlechte Laune. Ich war so froh, als ich endlich mit der Arbeit fertig war und mich beim Training richtig auspowern konnte. Nach einem stressigen Arbeitstag ist das einfach das Beste, was man machen kann. Jetzt liegen wir im Bett und schauen Pretty Little Liars. Ich bin mal gespannt, ob ich diesmal die ganze Serie schaffe. Wir schauen es natürlich auf englisch, da man es irgendwie nicht umstellen kann. Leider.

Dienstag, 17.10

Der Tag war ein wenig besser als gestern. Sonst ist nicht so viel passiert. Nach der Arbeit sind wir immer so fertig, dass wir nichts mehr unternehmen wollen. Dieser Blog ist mal wieder nicht so interessant. Ich hoffe, dass ich euch bald mal wieder mehr erzählen kann. Hier seht ihr mal ein Bild von unserem leckerem Essen: Nudeln mit Pesto und Oliven.

Mittwoch, 18.10

Was war das denn für ein Tag? Heute war unsere Chefin mal wieder „super“ gelaunt. Ich kann verstehen, dass man nicht jeden Tag gut drauf sein kann, aber das? Nein. Dafür habe ich echt kein Verständnis. Sie hat uns wegen allem angemacht, obwohl wir meistens nicht dafür konnten und dann meinte sie, dass die jungen Leute heutzutage ja eh nichts auf die Reihe bekommen. Zuerst bin ich ruhig geblieben, aber als sie mich dann beschimpft hat, dass ich die Becher auf den Tisch schmeißen würde, da konnte ich nicht mehr. Es sind Becher. Soll ich sie wohl vorher streicheln und küssen? Wir hatten dann eine kleine Auseinandersetzung, die mich ziemlich fertig gemacht hat, aber ich konnte ihr wenigstens mal meine Meinung sagen. Nach der Pause war sie dann wie ausgewechselt und total lieb. Manchmal verstehe ich Menschen nicht. Am Abend holte uns der Couchsurfer, Rob, mit dem Auto ab. Das war total lieb, denn so mussten wir unsere Koffer nicht herumschleppen. Hier ist es tausend mal gemütlicher als in der ersten Wohnung und ich habe mich total in sein Zuhause verliebt. Ich finde die Einstellung der Leute, die uns jungen unerfahren Menschen, einen Schlafplatz anbieten echt toll. Außerdem lernt man so viel besser Englisch und erlebt immer etwas Neues. Er ist sogar so lieb, dass er uns morgen zur Arbeit fährt. Ich habe zwar echt keine Lust mehr darauf, aber nur noch zwei Tage und dann ist es geschafft. Hoffentlich wird morgen ein besserer Tag!

Donnerstag, 19.10

Unser Couchsufer ist ein echter Glücksgriff. Heute früh wurden wir erstmal zur Arbeit kutschiert und abends wieder abgeholt. Da er heute einen Vertag gemacht hat, wollte er feiern gehen. Wir haben einfach mal zu gesagt. Die Clubs, die die Jungs uns gezeigt haben, waren echt klasse. Die erste Bar war versteckt. Der Eingang war ein Friseur (was ist das denn für eine coole Idee? Vielleicht studiere ich doch nicht, sondern eröffne lieber so einen Club). Ich finde es so schade, dass es so etwas nicht in Deutschland gibt. Der zweite Stopp war die Rooftop-Bar Ivy in Central. Im Sommer ist dort die Hölle los und die Leute gehen auch baden. Danach sind wir in einen Club gegangen. Der Abend war zwar nicht so lange, da wir morgen nochmal arbeiten müssen, aber wir haben so viel von der Stadt gesehen und so viele interessante Dinge von den Jungs erfahren. Außerdem wurden wir überall hin eingeladen. Ich sagte ja, dass er ein Glücksgriff ist. Jetzt sitzen wir im Uber, da Rob noch weiter feiern gehen wollte. Ich fühle mich schon ein bisschen schlecht, da er uns auch die Überfahrt gezahlt hat. Der ganze Tag war schon viel besser als gestern und ich bin so froh, dass ich der Frau gestern einfach mal meine Meinung gesagt habe. Man muss sich einfach mal trauen und zu seiner Meinung stehen. Ich bin ja auch nur ein Mensch und so möchte ich auch behandelt werden.

Freitag, 20.10

Endlich! Der letzte Arbeitstag ist da. Ich wusste nicht, ob ich mich auf diesen Tag freuen sollte oder nicht. Aber im Nachhinein bin ich verwirrt. Warum war die Frau heute so super nett? Sie wollte sogar, dass wir noch länger bleiben, aber sie hat leider im Moment nicht viel Arbeit. Es war ein super entspannter letzter Arbeitstag, da wir echt nichts zu tun hatten. Der Couchsurfer, Rob, hat uns dann nach dem Sushi- Essen wieder abgeholt. Ich finde seine Einstellung echt beneidenswert. Er möchte jungen Leuten das Reisen ermöglichen und er weiß, dass man oft nicht so viel Geld hat, deshalb unterstützt er Backpacker gerne. Außerdem reist er selber auch total gerne. Vielleicht kommt er uns auch mal in Deutschland besuchen.

Samstag, 21.10

Was ihr gestern noch alles verpasst habt? Alles. Wir wurden vom Bahnhof abgeholt und sind dann noch einkaufen gegangen. Wirklich nur das Nötigste. Und Cornflakes durfte Selina nicht kaufen, da sie nur aus Zucker bestehen. Es ist ein älteres Ehepaar und sie verpflegen sich selbst. Das heißt: Zum Frühstück Fleisch oder Ei und sonst nur Obst und Gemüse. Als wir das gehört haben, wollten wir am liebsten wieder zurück. Wir wohnen in einem Wohnwagen. Das Problem ist nur, dass wir kein WLAN haben. Also kann man sich ungefähr vorstellen wie der gestrige Abend aussah. Wir wollen der Farm aber trotzdem eine Chance geben. Heute Morgen startete der Tag um 8:30 mit einem Frühstück, das für mich persönlich zu viele Zwiebeln intus hatte. Die Arbeit war total anstrengend, was auch daran liegt, dass wir die letzten Tage nur gearbeitet haben und jetzt schon wieder. Die Farm liegt in einer wunderschönen Landschaft. Es ist hier wirklich schön, aber trotzdem kann man es nicht richtig genießen. Wir wissen nicht wie lange wir hier bleiben wollen/ sollen. Eigentlich wollen wir sofort weg, aber eigentlich ist es nicht so schlimm. Wir müssen halt zehn Stunden arbeiten und zwar dafür, dass wir in einem kalten Wohnwagen leben dürfen und mit organischem Essen versorgt werden. Es ist das komplette Gegenteil zu dem Leben, was wir bis jetzt geführt haben. Ich denke, dass wir erstmal bis Montag warten und uns dann entscheiden. Morgen haben wir zum Glück mal frei! Endlich mal wieder ausschlafen.

Sonntag, 22.10

Mit dem Ausschlafen hat das schonmal super geklappt. Um 7 Uhr wurde ich von einem Tier geweckt, das sich anhört wie eine Mischung aus Vogel, Affe und weinendem Baby. Nach einem gemütlichen Frühstück machten wir uns dann auf den Weg nach Gosford. Gosford ist eine langweilige Kleinstadt und wir dachten irgendwie das uns etwas Größeres erwartet. Nach ein paar Stunden durch die Stadt bummeln, machten wir uns wieder auf den Weg zur Farm. Es war ein richtiger Sonntag, denn ich legte mich erstmal ins Bett und fiel für zwei Stunden in den Tiefschlaf. Man muss seinem Körper auch einfach mal eine Pause gönnen. Diese Woche war so verwirrend und hat mich schon an meine Grenzen gebracht, aber dafür mache ich das ja. Ich habe keine Ahnung wie die Reise weitergehen wird. So langsam gewöhne ich mich an diese Spontanität. Jetzt sitze ich in dem Haus von den Farmbesitzern. Es fühlt sich an als wäre ich zuhause bei meiner Oma. Gestern habe ich erstmal geweint, da der Mann, Don, mich so an meinen Opa erinnert. Er hat uns die verschiedenen Tomatenpflanzen gezeigt, die er eingepflanzt hat und war dabei so in seinem Element. Er hat so gestrahlt und ich stand einfach daneben und habe geweint. Am Freitag wollte ich gleich wieder weg, aber jetzt bin ich mir unsicher. Es ist mal etwas total anderes, was man so schnell nicht mehr erleben wird. Als Kind wollte ich immer so einen Wohnwagen wie bei Die wilden Hühner und jetzt könnte ich genauso etwas haben. Mit dem WLAN war das anfangs ein Schock, aber das hat mich auch ein bisschen wachgerüttelt, denn so bin ich eigentlich nicht. Normalerweise bin ich nicht so handysüchtig und ich denke, dass das hier eine ganz gute Kur sein wird. Wie lange die Kur gehen wird, das steht noch in den Sternen. Ich bin mal gespannt, ob ich irgendwann mal einen konkreten Plan haben werde, der sich nicht zehnmal ändert.

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Meine fünfte Woche ist jetzt schon vorbei. Ich muss ehrlich sagen, dass es mir manchmal vorkommt als wäre ich schon Jahre von zu Hause weg und manchmal denke ich, dass es erst eine Woche her ist. Es kommt immer darauf an wie der Tag läuft. Ich weiß, dass sich immer sehr viel negativ anhört, aber es ist nicht immer negativ. Wenn ich meinen Blog schreibe, fühle ich mich so als würde ich mit meinen Eltern telefonieren. Und ja, ihr habt Recht Mama & Papa! Beim telefonieren war ich noch nie glücklich. Das liegt aber nicht daran, dass es mir hier nicht gefällt. Wenn ich mit zuhause Kontakt habe, überwiegen halt immer die negativen Gedanken, da man an manchen Tagen halt einfach die Dinge sucht, die einen dazu bringen würden den Rückflug zu buchen. An manchen Tagen möchte man halt einfach wieder zuhause sein. In den Arm genommen werden und gesagt bekommen, das alles einen Sinn macht. Hier muss ich es mir immer selbst einreden. Man muss stark bleiben, aber man weiß genau, dass man eine Herde hat, die hinter einem steht. Diese Herde würde sich natürlich auch freuen, wenn man wieder nach Hause kommt, aber man weiß auch, dass sie einen immer unterstützen. Egal welche Entscheidung man trifft. Egal was für einen Scheiß man macht. Ich bin unendlich dankbar, dass ich so etwas habe. In Worte fassen kann man das nicht. Aber was kann man denn schon groß in Worte fassen. Ich freue mich, wenn ich endlich wieder meine Familie in den Arm nehmen kann. Die nächste Zeit wird nicht leicht werden, denn vor allem in der Weihnachtszeit vermisst man alles an zuhause. Ja, sogar das schlechte Wetter. Trotzdem versuche ich der Zeit positiv entgegen zu sehen. Selina und ich wollen Plätzchen backen und haben schon Pläne gemacht, die sich aber bestimmt eh wieder ändern werden.

Was ihr aus diesem Blog mitnehmen solltet: Steht einfach zu euch selbst! Ihr werdet viele Menschen treffen, die euch verändern wollen. Menschen, die sich in euer Leben schleichen und einen riesigen Scherbenhaufen hinterlassen. Trotzdem dürft ihr nicht vergessen an euch zu glauben. Steht einfach mal zu eurer Meinung und schreit sie in die Welt hinaus. Ihr werdet gegen viele Mauern stoßen, aber am Ende werdet ihr euch besser fühlen. Man sollte mit seinen Mitmenschen ehrlich sein, denn die meisten wissen nicht, was euch verletzt und so können Konflikte vermieden werden. Es können natürlich auch Konflikte entstehen, aber ihr werdet euch besser fühlen. Es ist tausend mal besser, als die ganzen Gedanken in sich hineinzufressen. Sie müssen frei sein! Ich bin froh, dass ich diese Woche diesen Mut hatte und bereue nichts. In keiner Sekunde habe ich das getan. Ihr sollt jetzt nicht denken, dass ich mich so für so wichtig nehme, aber ich bin einfach nicht für alles Schuld für was ich beschuldigt wurde und ich denke einfach, dass sie das wissen sollte. Am Ende hat sich meine Chefin entschuldigt und gemeint, dass sie froh war, dass ich ihr mal meine Meinung gesagt habe. Denn so kann man Menschen auch besser verstehen und es entstehen keine Missverständnisse.

Bis nächste Woche!

Lara

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