Meine neue Herausforderung & PS: I love you #6

Montag, 23.10

Am Morgen mussten wir die Schafe füttern. Leider sind diese hier total scheu und rennen sofort weg, wenn man in ihre Nähe kommt. Danach mussten wir mal wieder Unkraut jäten. Hier seht ihr mal ein Vorher/ Nachher- Bild. Der ganze Tag bestand eigentlich aus Weeding. Aber wir wissen jetzt auch warum der Hof in diesem Zustand ist. Die Frau, Yvonne, kümmert sich ganz alleine um den Hof. Natürlich hat sie auch noch ihren Mann Don und Ian, aber den Großteil macht sie selbst. Vor drei Jahren hatte sie eine Operation am Herzen und ihr ging es lange Zeit nicht gut. Nachdem sie uns das erzählt hat, war ich kurz geschockt, denn sie ist einfach so eine starke Frau und  den ganzen Tag immer zu hundert Prozent im Einsatz. Ich möchte in ihrem Alter auch noch so fit sein. Sie hat bei der Gartenarbeit mehr Kraft als ich und ich habe zuhause täglich trainiert.

 

Dienstag, 24.10

Der Morgen startete wieder genauso wie gestern. Schafe füttern und Futter für die Kühe waschen. Den Sinn an dem Futter waschen, habe ich noch nicht so verstanden, aber anscheinend ist das so etwas wie eine Detoxkur für Kühe. Danach mussten wir das Haus auf Vordermann bringen, denn die Familie kommt morgen zu Besuch. Ich verstehe zwar nicht, warum wir das Haus putzen müssen, wenn morgen sechs Kinder kommen werden, aber Job ist Job. Ich habe schon viele unnötige Dinge in Australien gemacht, aber Decken putzten, musste ich wirklich noch nie. Auch in Deutschland wäre ich nie auf die Idee gekommen die Decke zu putzen. Den Vormittag verbrachten wir also auf Tischen um die Decke zu putzen. Danach mussten wir noch Gemüse schneiden, das es morgen zum Essen geben wird. Als ich ein Kind war, habe ich das alles nicht gegessen. Meine Oma hätte mir irgendwas leckeres gemacht wie Pfannkuchen oder Apfelringe und keinen Rote-Beete-Salat. Nach unserem Mittagsschlaf in der Sonne ging es mit der Arbeit im Haus weiter. Selina musste den Boden mit einer Zahnbürste schrubben. Auch sehr sinnvoll. Ich verstehe nicht, warum wir die letzten Tage bei schlechtem Wetter draußen arbeiten mussten und heute bei 30°C im Haus. Ich möchte doch braun werden. Um 20:30 Uhr lagen wir dann schon in unseren Betten, denn die Arbeit hat uns heute ziemlich fertig gemacht. Bin mal gespannt ob ich morgen meinen Nacken und Arme noch bewegen kann. Aber eigentlich dürfte es mir nichts ausmachen, da ich ja in Deutschland dafür sozusagen mein Training umgestellt habe. Ich vermisse das tägliche Training schon, aber momentan ist es halt einfach nicht möglich.

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Mittwoch, 25.10

Heute war endlich mal richtig gutes Wetter und wir durften sogar draußen arbeiten. Unten seht ihr mal ein Bild von einer Frucht, die hier im Garten wächst. Es ist eine Mischung zwischen Birne und Apfel. Es ist so interessant, was hier alles wächst. Nach ein paar Stunden arbeiten, waren wir total fertig, da wir das gute Wetter einfach nicht mehr gewöhnt sind. Heute war zudem der Tag der Stiche. Am Morgen wurde ich von einer Biene gestochen und nachmittags von einer Ameise gebissen. Beide Stiche sind total angeschwollen. Der Nachmittag war echt schön, denn die Familie war zu Besuch. Wir haben zusammen gegessen und danach noch ein bisschen Zeit mit den Kindern verbracht. Es war mal etwas anderes als nur Unkraut pflücken und war eine gute Abwechslung. Obwohl heute so viel los war, hatte ich richtig Heimweh. Seitdem ich weiß, dass meine Eltern und mein Freund mich besuchen kommen, kann ich es nicht mehr erwarten sie zu sehen. Aber ich habe auch Angst, denn dann gibt es wieder einen Abschied. Momentan kann ich nur an den Abschied denken. Deshalb war ich auch ein bisschen traurig und auch, weil heute der 25. ist. Der zweite 25. den ich alleine verbringe.

 

Lieber Jakob, 

heute ist mir aufgefallen, dass ich dir noch gar nicht gedankt habe. Für was? Für alles. Du bist immer für mich da. Unterstützt mich, auch wenn wir tausende Kilometer voneinander entfernt sind. Du regst dich über Sachen auf, über die ich mich gar nicht so sehr aufrege. Du bleibst Stunden länger auf nur damit wir Kontakt haben können. Du stehst an Tagen, wo du frei hast, früher auf nur um mit mir zu facetimen. Du versuchst mich zum Lachen zu bringen, auch wenn es dir schlecht geht. Du bist meine starke Schulter auf die ich mich immer verlassen kann. Du bringst mich zum Weinen. Du machst mich neidisch, denn du kannst Zeit mit den Menschen verbringen, die ich jetzt gerne bei mir hätte. Du machst mich  glücklich und traurig. Und natürlich nervst du mich auch manchmal, denn es gibt einfach Dinge, die du nicht regeln kannst. Dinge, an denen ich wachsen muss. Dinge, die mich stärker machen sollen. Manchmal fühlt es sich so an, als wärst du gar nicht weg, doch heute fühlt es sich so an, als wären wir Jahre getrennt. Auf der Farm hat man einfach zu viel Zeit über Dinge nachzudenken. Man realisiert, was man im Leben alles hat. Man realisiert, wie gut es einem geht und man wird dankbar. Ich hätte mir so gewünscht, dass wir diese Reise zusammen machen können, aber ich denke, dass es auch positive Seiten gibt. Wir sind zwar tausende Kilometer voneinander getrennt, doch trotzdem weiß ich, dass ich mich auf dich verlassen kann. Ich denke, dass wir die nächsten Wochen noch meistern werden. Nein. Ich weiß es. Jakob. Danke, dass du mich auf meiner Reise begleitest. Ich freue mich, wenn ich dich endlich vom Flughafen abholen kann. Ich wäre heute gerne mit dir Sushi essen gegangen oder nein – ich hätte heute einfach gerne mit dir Zeit verbracht und nicht nur in meiner Mittagspause ein paar Worte mit dir gewechselt. Es ist eine schwierige Aufgabe, die ich uns da gestellt habe und manchmal tut es mir auch leid. Ich habe dich sozusagen alleine gelassen, aber ich weiß, dass wir daran nur stärker werden. Ich weiß auch, dass du das nie gemacht hättest. Du hättest deine Träume unter meine gestellt und nicht so egoistisch gehandelt. Aber du weißt, dass ich es einfach machen musste. Ich werde immer noch die gleiche Person sein, die du am Flughafen verabschiedet hast. Vielleicht ein bisschen gebräunt, wenn das Wetter mal besser wird. Ich freue mich auf unsere gemeinsame Zeit hier und bin gespannt was wir alles erleben werden. Egal was. Ich freue mich. 

PS: I love you! 

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Donnerstag, 26.10

Unser erster freier Tag diese Woche startete schon früh, denn ich hatte heute Probearbeiten in Manly. Die Fahrt dorthin dauerte knapp zwei Stunden, aber es hat diesmal zum Glück alles geklappt. Wir haben uns nicht verfahren und haben sogar mal den richtigen Bus genommen. Wir werden immer besser. Beim Probearbeiten angekommen wurde mir erstmal der „Laden“ gezeigt. Es ist ein Onlineversand bei dem man sich Kleider leihen kann. Ich musste dann die Kleider überprüfen, ob sie Schäden haben oder dreckig sind. Eigentlich ziemlich einfach. Das Highlight an diesem Job ist wahrscheinlich die Aussicht, denn das Geschäft ist in einem der höchste Gebäude in Manly und im obersten Stock. Das heißt: Egal wo man in der Wohnung steht man sieht immer das Meer. Nach zwei Stunden Probearbeiten fragte sie mich dann, ob ich noch länger Zeit hatte. Also arbeitete ich noch weitere drei Stunden, die wie im Flug vergingen. Den Job hab ich zwar leider noch nicht zu 100%, aber es war interessant von den anderen Mädchen ihre Geschichten zu erfahren und es war toll wieder neue Leute kennen zu lernen. Nach dem Arbeiten habe ich mich dann mit Selina getroffen und wir sind noch ein bisschen durch Manly geschlendert. Hier ist es wirklich wunderschön. Heute habe ich mir endlich mal ein Buch gekauft. Gebraucht für 2$. Ein totales Schnäppchen. Bin mal gespannt, ob ich es verstehen werde, aber ich möchte mein Englisch ja auch verbessern und abends im Wohnwagen kann man leider nicht so viel machen. Jetzt sitzen wir wieder im Zug und sind auf dem Weg nach Gosford. Dort werden wir von der Yvonne abgeholt und gehen dann noch einkaufen für die nächsten Tage. Ich bin mal gespannt, was wir alles einkaufen dürfen. Selina möchte Kekse backen. Ich freue mich schon jetzt auf Yvonnes Reaktion da Selina Zucker verwendet hat.

 

Freitag, 27.10

Der Tag startete mit einem Frühstück, das ich lieber zu Abend gegessen hätte (siehe Bild).  Außerdem habe ich noch gute Nachrichten: als wir gestern auf Yvonne im Coles gewartet haben, habe ich die Jobzusage bekommen. Ich habe mich riesig gefreut. Natürlich bin ich auch traurig, denn Selina möchte nicht länger in Sydney bleiben, aber wir werden unsere Reise im Januar zusammen weiterführen. Vor zwei Wochen hatte ich noch so Angst, dass unsere Reise vorbei ist, aber ich denke, dass wir mit vielen neuen Erfahrungen ab Januar eine tolle Zeit verbringen werden. Jetzt denkst du dir bestimmt, dass es ja total gemein ist, dass sich Selina für eine Reise mit mir entschieden hat und ich dagegen. Ich habe mich nicht dagegen entschieden. Es war geplant, dass wir im November nochmal arbeiten werden und mit dem Geschäft habe ich schon im August Kontakt aufgenommen und ich bin froh, dass es jetzt doch noch geklappt hat. Jetzt heißt es erstmal: Welcome back hostel life! Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll oder nicht, aber ich bin gespannt, was die nächste Woche mit sich bringen wird. Heute habe ich Yvonne gesagt, dass ich am Montag gehen werde und deshalb habe ich morgen frei. Was heute noch spannendes passiert ist: Ich habe das erste Mal mit meiner Oma geskypt. Die Verbindung war zwar sehr schlecht, aber sie hat sich echt gefreut. Ich hatte schon ein bisschen Tränen in den Augen, als ich sie gesehen habe und freue mich jetzt schon darauf mit ihr wieder einkaufen zu gehen und zu quatschen.

 

Samstag, 28.10

Heute konnte ich endlich mal wieder ausschlafen, obwohl man 8 Uhr eigentlich nicht ausschlafen nennen kann. Nach einem leckeren normalen Frühstück haben Selina und ich Plätzchen gebacken. Danach sortierte ich Sachen aus, die ich nicht mitnehmen werde, wie zum Beispiel meine Jacke, die ich vom Couchsurfer geschenkt bekommen habe. Diese bekommt Selina, denn sie wird nach Tasmanien gehen und kann sie dort gut gebrauchen. Außerdem hat sie so immer eine Erinnerung an mich. Heute hab ich endlich mal wieder ein Intervall-Training gemacht. Bei 28°C und strahlendem Sonnenschein. Es hat echt mal wieder gut getan sich komplett auszupowern. Jetzt sitze  ich an meinem Laptop und versuche irgendwie das Problem mit meiner Tax File Number zu klären, da ich nie eine von der Organisation bekommen habe. Helfen können sie zwar irgendwie auch nicht, was mich ziemlich aufregt, denn auf die Idee dort anzurufen, wäre ich auch alleine gekommen. Leider kann man bei der Bank mit keiner Person sprechen, sondern nur mit einer Computerstimme. Bin mal gespannt, ob ich das heute noch hinbekommen werde. 

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Sonntag, 29.10

Die Sonne lachte mich schon an als ich heute Morgen aufwachte. Deshalb entschied ich mich erstmal laufen zu gehen. Es war so wunderschön, denn alles war so still und friedlich. Ich liebe einfach das Landleben. Danach machten wir uns auf den Weg zum Strand. Dort angekommen waren wir total nass geschwitzt, denn es hatte ungefähr 35°C. Wir verbrachten dort einen richtigen australischen Sonntag. Zumindest stelle ich mir so einen Sonntag in Australien vor. Am Strand liegen und einfach mal entspannen. Ich war sogar das erste mal im Wasser. Ok, nur bis zum Bauch, aber fast. Das Wasser ist noch ziemlich frisch, aber nicht mehr so frisch wie vor fünf Wochen. Die Sonne habe ich leider ein bisschen unterschätzt, da ich die letzten Tage auch keinen Sonnenbrand hatte. Ich habe mich zwar eingecremt, aber man sieht, welche Stellen ich ausgelassen habe. Notiz für mich: das nächste Mal besser eincremen! Heute haben wir das erste Mal richtig gekocht. Also das was wir wollten. Ich habe unser Backpacker-Essen wirklich vermisst. Es war ein schöner letzter Tag auf der Farm.

Morgen beginnt für mich ein neues Abenteuer und ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll oder nicht. Irgendwie möchte ich momentan die Farm nicht verlassen. Ich weiß, dass ich letzte Woche unbedingt so schnell wie möglich weg wollte, aber man gewöhnt sich eben schnell an Dinge. Außer an das Essen, daran werde ich mich nie gewöhnen. Ich werde vor allem Don vermissen. Sein tägliches „Good morning, Lara“ oder sein strahlendes Lächeln wenn er zur Tür reinkommt oder dass er mir vorgeschlagen hat meinen Teller abzulecken. Da kommen einfach Kindheitserinnerungen in mir hoch. Er bringt mich auf der einen Seite zum Strahlen und auf der anderen werde ich traurig. Ich habe nie gedacht, dass man Leute trifft, die einen so an einen besonderen Menschen erinnern können.

Diese Woche ist wie im Flug vergangen und es kommt mir so vor, als hätte ich erst gestern #5 geschrieben. Man erlebt einfach so viel, dass man es gar nicht alles realisieren kann. Ich bin gespannt, was die nächste Woche mit sich bringen wird, ob mir das Hostelleben und die Arbeit gefallen, ob ich eine Wohnung finden werde und wie ich alleine zurecht komme. Ich bin auf jeden Fall bereit. Bereit für ein neues Abenteuer, für eine neue Herausforderung, für neue Probleme, für neue Höhen und Tiefen.

Bis bald!

Lara

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4 Gedanken zu “Meine neue Herausforderung & PS: I love you #6

  1. Jakob Glesius sagt:

    😪 die Woche war wirklich hart sie kam mir vor wie ein Jahr weil wir nicht so viel Kontakt haben konnten! Ich vermisse dich so sehr und kann kaum bis Dezember abwarten am liebsten würde ich sofort nach Frankfurt losfahren um dir einen Schritt näher zu sein!
    P.S. I love you too!!

    Gefällt 1 Person

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