Meine erste Woche alleine, Wohnungsbesichtigung & neue Mitbewohnerin? #7 

Montag, 30.10

Der Tag des Abschieds ist gekommen. Heute sind wir nach Manly gefahren. Die Stimmung war komisch. Wir wussten was kommt. Das Hostel haben wir eigentlich ziemlich schnell gefunden. Der erste Eindruck war schrecklich und ich will hier nicht alleine bleiben. Als ich mein Gepäck eingecheckt hatte, sind wir noch zum Strand gegangen. Das Wetter war mal wieder top. Das Highlight des Tages: ich war das erste Mal im Wasser; sonst hätte man das auch wirklich nicht ausgehalten. Um 16.00 Uhr habe ich dann Selina zum Bus gebracht. Als sie in den Bus gestiegen ist, war das wie ein Tritt in den Bauch. Es hat richtig weh getan und ich fühle mich jetzt ganz komisch. Das erste Mal alleine. So realisieren kann ich das noch nicht so. Ich werde sie ganz schön vermissen. Es ist komisch jetzt niemanden mehr neben sich zu haben. Alleine essen zu müssen. Alleine zu arbeiten. Es wird sich einfach alles ändern. Gestern habe ich noch geschrieben, dass ich dafür bereit bin, aber bin ich das wirklich? Momentan fühlt es sich nicht so an. Abends war ich dann noch am Meer spazieren. Heute war ein richtiger Sturm. Das Meer hat meine Gefühlslage richtig gut beschrieben. Durcheinander und Angst vor dem nächsten Sturm.

Dienstag, 31.10

Mein erster Arbeitstag. Mein erster Tag alleine. Ich bin schon früh aufgewacht und habe dann beschlossen am Strand zu frühstücken. Das Wetter hat zwar nicht so mitgespielt, aber das war mir in diesem Moment egal. Ich habe mich ja eigentlich auf die Arbeit gefreut, doch leider war es nicht so wie erwartet. Am Anfang wurde mir gesagt, dass ich beim Probearbeiten viele Fehler gemacht habe. Toller Start in den Tag. Zudem sind die Mädchen schon ein eingespieltes Team und es ist schwierig dort seinen Platz zu finden. Ich weiß, dass heute erst der erste Tag ist und ich dem ganzen noch seine Zeit geben muss, aber momentan bin ich einfach so negativ gestimmt. Abends kochte ich dann alleine. Naja, kochen kann man das nicht nennen, denn das Hostel ist echt schlecht ausgestattet. Es gab Reis mit Thunfisch. Ohne Gewürze. Nach dem Essen ging ich wieder Laufen. Es ist einfach das Beste um seine Gedanken zu ordnen und neue Kraft zu tanken. Es schwirren so viele Sachen durch meinen Kopf und ich kann es alles nicht einschätzen. Es fühlt sich so an, als hätte ich mich gestern von meiner Familie verabschiedet und wäre frisch in Sydney angekommen. Am Strand war es wirklich schön und ich konnte gut abschalten. Ich habe mehrere Gruppen gesehen, die so eine Art Bootcamp anbieten, aber irgendwie habe ich mich nicht getraut zu fragen, ob ich mitmachen könnte. Komisch. In Rockdale habe ich den Leuten noch Tipps gegeben wie sie ihr Training verbessern können und jetzt bin ich zu schüchtern. Wie schnell sich so etwas ändern kann. Von heute auf morgen. Nach dem Training habe ich noch mit meinen Eltern telefoniert, die versucht haben mich aufzubauen. Auch meine Zimmergenossen haben gemeint, dass alles seine Zeit braucht. Eigentlich weiß ich das auch. Nur heute halt nicht. Ich habe mir meinen Start eben besser vorgestellt. Ich habe alles auf diesen Job gesetzt. Ob ich diese Entscheidung bereuen werde, kann ich erst in ein paar Wochen sagen. Jetzt liege ich im Bett und bin so erledigt von dem Tag. Meine Zimmergenossen (Argentinier und Niederländer) quatschen schon seit Stunden. Anfangs war es echt interessant, denn sie haben uns sozusagen die Geschichte Südamerikas erklärt und die Situation dort vor Ort. So etwas lernt man ja leider überhaupt nicht in der Schule. Jetzt bin ich aber zu müde um zuzuhören und ich denke, dass ich einfach schlafen gehen werde, damit ich morgen fit bin für meinen Tag.

Mittwoch, 01.11

Der Tag startete genauso wie gestern. Ich weiß gar nicht, warum ich momentan immer so früh aufwache. Angespannt machte ich mich auf den Weg zur Arbeit und versuchte mir einzureden, dass alles gut werden würde (Blogartikel darüber kommt bald online). Gestern war ja erst mein erster Tag und man wird nicht als Champion geboren. Die Arbeit war besser als erwartet. Ich finde es nur so komisch, dass die Mädchen letzte Woche noch so nett waren und jetzt wo die andere Mitarbeiterin noch da ist, kommt man irgendwie nicht in die Gruppe rein. Aber auch das braucht seine Zeit. Ich muss ja auch erstmal auftauen. Im Hostel angekommen legte ich mich dann erstmal in mein Bett und schlief sofort ein. Ich war den ganzen Tag ziemlich fertig, denn die anderen haben gestern noch bis 1:30 Uhr geredet. Das ist wohl das Hostelleben. Ich hoffe, dass ich bald eine WG finde oder am besten, dass Selina doch noch einen Job bekommt, denn dann könnten wir wieder zusammen wohnen. Momentan versuche ich mich vor dem Sport zu drücken, da es draußen wieder super kalt ist. Diese Temperaturschwankungen sind schlimmer als in Deutschland und das macht mich echt fertig. Ich bin mal gespannt, ob diese Schwankungen von 35°C auf 19°C im Sommer nachlassen werden. Ich will doch endlich gutes Wetter. Und dann noch ein Zimmer und meine Privatsphäre. Heute früh habe ich ein Mädchen im Bad getroffen, das hier schon seit zwei Monaten wohnt. Respekt. Ich könnte das nicht. Ich brauche einfach meinen Rückzugsort. Mein eigenes Bett. Und jetzt höre ich mal auf zu schreiben und gehe Laufen.

Donnerstag, 02.11

Was für ein Tag! Die Arbeit war so wie immer und man merkt, dass es von Tag zu Tag besser wird. Aber was ist denn sonst mit mir los? Ich erkenne mich gar nicht wieder. Ich bin total mit der Situation überfordert. Gestern habe ich das erste Mal so richtig mit zuhause Streit gehabt. Den ganzen Tag über hat mich das beschäftig. Im Moment kann ich einfach mit Keinem Kontakt haben, da ich einfach nicht weiß, was ich schreiben soll. Gefällt dir die Arbeit? Wie war dein Tag? Bleibst du jetzt noch im Hostel? Wie geht es jetzt weiter? Fragen über Fragen, die ich einfach nicht beantworten kann. Ich wünschte ich könnte es, aber ich habe keine Ahnung. Eigentlich geht es mir ja gut und das Hostel ist jetzt nicht mehr so schlimm. Ich schlafe hier ja nur. Trotzdem fühle ich mich irgendwie so fremd. Was genau mit mir los ist, das versuche ich noch herauszufinden. Ich lasse leider meine Laune an den Menschen aus, die es nicht verdient haben. Aber auch sie können mir nicht helfen, auch wenn sie meinen, dass sie es könnten. Man kann nicht einfach so ein bezahlbares Zimmer herzaubern. Immer wenn mir jemand schreibt, dass er mir helfen kann, fühle ich mich so als wäre ich irgendwie zu dumm dafür. Es ist ja nicht so, als würde ich nicht jeden Abend Wohnungen suchen. Vielleicht sollte ich einfach aufhören nach Zimmern zu suchen und mich an das Hostelleben gewöhnen. Das wären noch vier Wochen, die ich hier bleiben müsste und danach hätte ich dann endlich mal Urlaub. Ich könnte mir hier ja einen schönen Monat machen. Mir Internet kaufen, mich im Fitnessstudio anmelden und nicht jeden Abend nach Zimmern suchen. Ich muss mir nur einreden, dass es hier auch Vorteile hat.

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Freitag, 03.11

Ich habe heute meine erste Wohnungsbesichtigung! Ich kann es noch gar nicht glauben und bin mir nicht so sicher, ob es auch wirklich klappt. Eigentlich hat der Mann jemanden bis zum 24. Dezember gesucht, aber er hat gemeint, dass man ja darüber reden könnte. Deshalb war meine Laune auch besser als gestern. Also machte ich mich nach der Arbeit auf den Weg nach Narrabeen. Die Gegend ist wirklich wunderschön und es wäre ein Traum, wenn das Zimmer auch schön wäre. Aber … zur Wohnungs-besichtigung kam es überhaupt nicht. Als ich vor dem Haus stand und den Mann anrief, ging er nicht an sein Handy. Also checkte ich nochmal meine Mails. Und dann das: vor zehn Minuten hat er mir eine Nachricht geschrieben, dass er sich meine Mail nochmal genau durchgelesen hat und er jetzt erst gelesen hat, dass ich nur bis zum 11. Dezember bleiben könnte, das ginge für ihn leider nicht. Ich habe echt gedacht, dass ich spinne. Dafür bin ich 40 Minuten dorthin gefahren. So richtig blond. Und dann hatte er noch nicht mal den Mumm mir das persönlich am Telefon mitzuteilen. Peinlich. Naja, wäre ja auch wirklich zu schön gewesen. Also machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause, denn ich wollte ja heute noch ein Probetraining machen. Habe ich schon gesagt, dass heute mein Glückstag ist? Ja, heute ist definitiv mein Tag, denn auch das Fitnessstudio hatte zu. Ich denke, dass ich jetzt lieber schlafen gehe, bevor noch etwas Dummes passiert. Ich hoffe nur, dass ich das Hostel noch verlängern kann und es nicht ausgebucht ist, sonst wüsste ich echt nicht mehr wohin ich soll.

Samstag, 04.11

Der Tag startete mal wieder später, denn ich hatte heute nichts geplant und das Wetter war auch nicht so toll. Also meldete ich mich erstmal im AnytimeFitness an und powerte mich beim Training wieder aus. Das Beste war ein Mann, der Beine trainierte, denn man konnte nicht unterscheiden, ob er jetzt wirklich trainiert oder ein Kind bekommt. Das ganze Studio hat immer total verstört geschaut. Er hat mich immer zum schmunzeln gebracht und das hat in dieser Woche noch keiner geschafft. Danach ging ich wieder ins Hostel und machte mich fertig, denn ich wollte ins Einkaufszentrum fahren. Auf einmal quatschte mich meine Mitbewohnerin an, die genauso wie ich keine Lust mehr auf das Hostelleben hat. Sie meinte, dass wir uns ja ein AirBnB teilen könnten. Zuerst war ich echt skeptisch, aber warum denn nicht. Warum sollte ich denn nicht einfach mal etwas Verrücktes ausprobieren und einfach mal spontan sein. Wir fuhren dann zusammen ins Einkaufszentrum und buchten ein AirBnB in Freshwater. Eine richtig schöne Wohnung. Ja, wir haben wirklich gebucht! Ich kann mir zwar noch nicht vorstellen wie es genau werden wird, aber besser als diese Woche wird es bestimmt. Außerdem muss ich englisch mit ihr reden, denn sie kommt aus Argentinien und das wollte ich ja eigentlich die ganze Zeit. Vor ein paar Stunden war ich noch total schlecht drauf und jetzt das. Alles hat wohl seine guten Seiten. Ich kann es eigentlich gar nicht so richtig glauben, dass ich mir mit einer Wildfremden ein Zimmer oder besser gesagt ein Bett teilen werde, aber in der Not macht man wohl alles. Es war echt mal toll mit jemanden über seine Probleme reden zu können und auch mal verstanden zu werden. Jetzt habe ich wohl ab Dienstag erstmal 21 Tage eine Wohnung. Ich bin so gespannt, ob es alles klappt und möchte mich momentan noch nicht zu sehr freuen, da ich Angst habe enttäuscht zu werden. Natürlich freue ich mich auch, denn ich kann endlich mal nach sieben langen Wochen meinen Rucksack auspacken. Darüber freue ich mich am meisten und natürlich auch auf eine ordentliche Küche und funktionierendes WLAN. Hoffentlich sind meine Erwartungen nicht zu hoch, aber das werde ich ja nächste Woche sehen. Kleiner Tipp: AirBnB’s sind sogar meist günstiger als Hostels.

Sonntag, 05.11

Der Blick aus dem Fenster vermieste mir schon ein bisschen meinen Morgen, denn ich wollte mich heute mit Selina treffen. Also hieß es wieder ab ins Einkaufszentrum. Es war so schön, als ich Selina endlich wieder in die Arme schließen konnte. Wir hatten uns viel zu erzählen, denn auch bei ihr ist ziemlich viel passiert. Sie hat einen Fruitpicking-Job bekommen, das freute mich natürlich für sie, allerdings ist der Job ist in der Nähe von Brisbane. Das heißt: heute war unser letztes Treffen für dieses Jahr. Für das Jahr 2017. Ich kann es noch gar nicht so richtig realisieren. Sie geht aus Sydney weg und ich bleibe hier. Was sich alles in einer Woche ändern kann. Wahnsinn. Wenn jetzt alles schief läuft habe ich keinen Plan B mehr, der Selina heißt. Aber es sind ja nur noch ein paar Wochen und dann kommt meine Familie. Heute im Einkaufszentrum habe ich das erste Mal ein Weihnachtslied gehört und auch der Weihnachtsbaum am Bahnhof hat mich ziemlich traurig gemacht. Ich weiß, dass ich in der Weihnachtszeit nicht alleine bin, aber trotzdem wäre ich gerne zuhause. Man vermisst wirklich das schlechte Wetter in Deutschland. Hier ist zwar auch schlechtes Wetter, aber ich vermisse das deutsche Wetter. Ich vermisse den Geruch vom Kachelofen und das Gefühl, dass es bald zum Ski-fahren geht. Besonders in der Vorweihnachtszeit wäre ich gerne zuhause. Auch wenn meine Familie mich besuchen kommt, möchte ich nach Hause, denn hier ist es einfach nicht das gleiche. Hier können wir nicht alle Verwandten besuchen. Hier kann man sich nicht in tausende Pullis einkuscheln. Hier ist alles anders.

Diese Woche war ein großes Chaos. Ich hätte am liebsten aufgegeben, aber jetzt kann ich sagen, dass ich meine kleine Depression überstanden habe. Man hat sich das hier alles anders vorgestellt. Ich habe mir gedacht, dass immer die Sonne scheint, man jeden Tag etwas spannendes erlebt, immer nur lacht und man keine Sorgen hat. Das hätte ich mir gewünscht, aber das Leben ist nunmal kein Wunschkonzert. Dass mich dieses Jahr so an meine Grenzen bringt, hätte ich wirklich nicht gedacht, denn die meisten sind ja immer total begeistert von ihrem work and travel-Jahr. Vielleicht mache ich irgendwas falsch oder vielleicht mache ich auch alles richtig, denn das alles hier verändert mich.  Ich werde von Tag zu Tag stärker, lerne viel über mich selbst und kann die Situationen besser einschätzen. Es war nicht das Beste, dass ich die ganze Woche alleine war, denn man macht sich einfach zu viele Gedanken und Sorgen und ja, ich bin total im Selbstmitleid ertrunken. Ich war zwar nicht alleine, aber genauso habe ich mich gefühlt. Der Samstag hat mir gezeigt, dass das Ganze wohl doch einen Sinn hat. Ich habe bis jetzt jede Woche eine kleine Überraschung erlebt. Manchmal zweifelt man, manchmal freut man sich und manchmal ist man total überfordert. Aufgeben sollte man aber trotzdem nicht. Man sollte nie aufgeben an sich zu glauben. Ich denke, dass es ok ist, dass ich mir mal eine kleine Pause von allem gegönnt habe und nur auf mich gehört habe. Natürlich weiß ich, dass ich damit die wichtigsten Menschen verletzt habe und das tut mir auch wirklich leid, aber ich musste so viele Dinge regeln. Ich musste einfach die Dinge mit mir selbst klären. Das war meine Aufgabe für diese Woche. Ich bin zwar nicht so euphorisch wie letzte Woche, aber ich bin bereit für neue Aufgaben.

See you!

Lara

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