mystory #1

Hello,

das hier wird ein sehr persönlicher Blogpost. Hast du dich schon mal gefragt, warum ich keine Bilder mit offenen Haaren poste? Hier erfährst du alles. Wirklich alles, denn so langsam habe ich mit dem Thema abgeschlossen.

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2015 sollte eigentlich mein Jahr werden. Ich besuchte eine neue Schule und wollte neue Leute kennenlernen. Ich wusste genau auf was ich mich eingelassen hatte. Ich wusste, dass das Gymnasium nicht einfach werden würde. Aber ich wusste nicht, dass die Lehrer und Schüler einen anders behandeln. Ich war ein E-Klässler und in meiner ersten Geo-Stunde bekamen wir erstmal mitgeteilt, dass wir auf gar keinen Fall mündlich Abi machen sollten, denn Realschüler können sich nicht ausdrücken. Ich habe mich noch nie von einem Lehrer so erniedrigt gefühlt, aber irgendwie wurden wir auch einfach so behandelt. Deshalb baute ich mir eine starke Schale auf. Ich wurde von Tag zu Tag selbstbewusster und war nicht mehr das kleine schüchterne Mädchen aus der Realschule. In der Realschule haben mich die meisten Leute glaube ich gar nicht wahr genommen. Jetzt war ich endlich jemand. Als endlich Sommerferien waren, war ich so froh, endlich keine Schule mehr!

Zusammen mit meiner Schwester flog ich nach England, denn unsere Eltern hatten für uns eine Sprachreise gebucht. Es war sozusagen der erste Urlaub ohne meine Eltern und wir waren beide nicht so begeistert. In England wurde ich leider sehr krank. Ich hatte mich noch nie in meinem Leben zuvor so schlapp gefühlt. Trotzdem wollte ich an dem Programm teilnehmen und habe mich einfach zusammengerissen. Ich weiß bis heute nicht wie hoch mein Fieber war, aber es war wirklich schwierig sich auf den Beinen zu halten. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum ich England nicht mag. Als uns unsere Eltern dann nach zwei Wochen abholten, wollten wir danach eigentlich noch Urlaub machen. Leider ging es mir immer noch so schlecht, dass ich nur im Bett liegen konnte und wir auch früher nach Hause fuhren.

Als die Schule dann wieder anfing, war ich so einigermaßen wieder die alte Lara. Aber nur einigermaßen, denn leider habe  ich in den Sommerferien noch einen wichtigen Menschen verloren. Wie ich die Sommerferien zusammenfassen würde: schlimmste Sommerferien meines Lebens! Ich war so froh, als die Schule endlich wieder anfing.

Ca. 4 Wochen nachdem ich wieder aus England kam, nahm ich an einem Halbmarathon teil. Ich hatte mich lange darauf vorbereitet, aber leider konnte ich nach meiner Erkältung (oder was es auch war) noch nicht mal einen Berg hochlaufen. Ich hatte ungefähr drei Wochen mich so gut wie möglich vorzubereiten. Ich wusste, dass ich nicht das erreichen konnte, was ich eigentlich wollte, aber ich wollte auch nicht aufgeben.

Ende Oktober fing es dann so langsam an. Beim kämmen, verlor ich immer mehr Haare. Zunächst machte ich mir darüber keine großen Gedanken, denn vielleicht ist es ja so wie beim Tier. Sommer- und Winterfell. Leider hörte mein Haarausfall auch nach einem Monat nicht auf. Er wurde um ehrlich zu sein immer schlimmer. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie mein Haar von Tag zu Tag dünner wurde. Am Anfang machte ich darüber noch Witze, aber irgendwann wurden daraus Sorgen. Ich musste meine Haare sogar bis zu den Schultern abschneiden, da sie unten einfach zu dünn waren. Ende November besuchte ich dann einige Ärzte. Leider konnte mir niemand etwas Genaues sagen. Sie schicken mich von Arzt zu Arzt. Ich habe es so gehasst in diesem Wartezimmer zu sitzen. Der eine Arzt hat dann eine Haaranalyse gemacht, dabei wird einem ein Büschel Haar herausgezogen. Das hat so unglaublich weh getan! Das Ergebnis war: mir fallen mehr Haare heraus als nachwachsen. Wow! Das hätte ich wirklich nicht erwartet. Irgendwann war ich so sauer, da mir niemand sagen konnte was ich hatte. Ich wollte doch einfach nur, dass es aufhörte. In der Schule hatte ich immer einen Schal an und die Haare zusammengesteckt, denn so fiel es nicht so auf, dass ich keine langen Haare mehr hatte.

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Mit meinen Haaren verlor ich auch meine Freunde. Naja, Freunde kann man das nicht nennen. Klar war ich nicht mehr die gleiche Lara, aber ich finde, dass eine Freundschaft auch schlechte Zeiten überstehen sollte. Ich war nicht mehr so selbstbewusst, aber genau deshalb hätte ich mir ein bisschen mehr Unterstützung gebraucht. Ich bin immer noch so traurig, dass ich bei diesen Menschen dachte, dass sie anders wären. Zu dieser Zeit habe ich aber auch Jakob kennengelernt. Der Macho. Das Arschloch. Er brachte mich einfach immer zum lachen. Er wollte sich so oft mit mir treffen, aber ich lehnte immer ab, denn ich dachte, dass er mich eh nur verarschen will. Ich meine, ihr wisst einfach nicht wie ich zu dieser Zeit aussah. Ich sah so krank aus und konnte selbst einfach nicht mehr in den Spiegel schauen. Den meisten Menschen ist es glaube ich nicht einmal aufgefallen, da ich es in der Öffentlichkeit immer versucht habe so gut wie möglich zu verstecken.

Jakob hat mir gezeigt, dass es wichtigeres im Leben gibt. Er hat mir das Gefühl gegeben, dass auch ich schön bin. Bei ihm konnte ich einfach ich sein. Ende Januar hörte dann der Haarausfall auf, aber es kamen auch keine neuen Haare mehr nach.

Ich weiß gar nicht mehr, wann die Zeit kam als ich meine Haare nicht mehr offen tragen konnte. Irgendwann sah es einfach zu schlimm aus. Ich habe kaum Bilder aus dieser Zeit. Auch auf Instagram habe ich nur noch #flashbacks gepostet. Bilder aus der guten alten Zeit, als ich noch wunderschöne lange Haare hatte.

Wie ich mich gefühlt habe? Irgendwann habe ich aufgehört darüber nachzudenken. Ich habe einfach versucht mein Leben zu genießen. Es gibt Menschen, die Krankheiten haben, die man nicht mehr heilen kann. Ich sollte mich nicht darüber beschweren was mir passiert ist. Klar, hat es mich klein gemacht, aber irgendwie hatte es auch etwas gutes. Ich habe eine Person kennengelernt, auf die ich mich zu hundert Prozent verlassen kann. Ich habe gelernt, wer die wahren Freunden sind. Ich habe gelernt, dass es wichtiger ist, wie der Menschen im Inneren ausschaut.

Irgendwann im April fingen meine Haare dann wieder an zu wachsen. Ich wusste nicht, ob ich mich darüber freuen sollte oder nicht, denn irgendwie sahen die kurzen Haare, neben den längeren so komisch aus. Zu dieser Zeit realisierte ich, dass ich nie wieder so aussehen würde wie vorher. Naja, so ganz realisiert habe ich es zu dieser Zeit noch nicht. Die Haare, die nachwuchsen waren lockig und zwar richtig lockig. Es sah/ sieht wirklich seltsam aus. Ich dachte zu dieser Zeit noch, dass sich die Haare aushängen werden, dass sie wieder glatt werden. Wenn ich ehrlich bin, dachte ich das noch bis vor ca. zwei Monaten. Ich habe mir so gewünscht, dass sie wieder glatt werden, denn es schaut so komisch aus. Meine neuen Haare locken sich und die alten sind glatt. Glätten kann man die Locken leider auch nicht. Ich habe wirklich alles versucht.

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Es gab keinen Tag von Anfang 2016 bis jetzt an dem ich meine Haare offen getragen habe. Ich habe jeden Tag einen Dutt und sehe nur manchmal im Spiegel wie meine Haare offen ausschauen. Ich habe mich einfach noch nicht damit angefreundet. Eigentlich müsste ich meine Haare mal auf eine Länge abschneiden, aber dann kann ich keinen Zopf mehr machen, deshalb lasse ich das lieber. Ich mag meinen Dutt. Er sieht sportlich aus und ist einfach zu machen. Ich habe mich daran gewöhnt meine Haare nicht mehr offen zu tragen. Auf den Bildern siehst du mal wie der Umfang meines Dutts sich verändert hat. Ich weiß, dass meine Mama meine Locken zum Beispiel süß findet, aber man kann sie halt einfach nicht offen tragen. Immer wenn ich versuche meine Haare offen zu tragen fühle ich mich fett. Ja, das klingt komisch, aber da ich eher ein rundes Gesicht habe, passen kurze lockige Haare einfach nicht dazu. Außerdem fühle ich mich jedes mal unwohl und denke, dass die Leute mich anders anschauen.

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Heute kann ich offen über meine Geschichte reden. Am Anfang wusste ich nicht so richtig wie ich damit umgehen soll, aber es hat mich einfach geprägt. Man bekommt eine neue Sichtweise. Wenn heutzutage zu mir einer sagt, dass er einen Bad Hair day hat, werde ich jedes mal noch sauer, aber ich merke auch wie oberflächlich diese Menschen sind. Ich wäre froh, wenn ich so Haare hätte wie diese Person. Ich habe in dieser Zeit ziemlich viel geweint. Nicht wegen den Haaren. Eher wegen den Menschen, die mich verletzt haben.

Ich habe aber auch zu schätzen gelernt, dass es immer Menschen gibt, die zu einem stehen. Ja, diese gibt es wirklich noch und ich bin so froh, dass ich solche Menschen in meinem Leben haben darf. Ihr ward einfach immer für mich da. Habt mich aufgebaut und mich auch manchmal einfach mal verzweifeln lassen. Ich war wirklich nicht immer einfach und oft negativ gestimmt. Ich habe so oft mit dem Gedanken gespielt alles hinzuschmeißen. Durch euch habe ich aber gelernt, dass es sich lohnt zu kämpfen. Ich kann mich glücklich schätzen, dass es euch gibt. Ich denke, dass die Personen, die ich meine, wissen dass ich von ihnen spreche.

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Warum ich diese Geschichte mit dir teile? Zunächst war es mir so peinlich was mir passiert ist. Ich habe alles verloren, was ich hatte. Ich habe mich verändert. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich durch eine ziemlich schwierige Zeit gegangen bin. Ich hätte mir einfach nicht so viele Gedanken machen sollen, aber in unserer Gesellschaft ist das einfach nicht so einfach. Das Aussehen ist schon sehr wichtig. Vielleicht hast du ja ähnliches erlebt. Ich wollte nur einfach meine Geschichte erzählen, da sie mich ziemlich lange beschäftigt hat. Vielleicht merkst du ja auch, dass du mich verletzt hast oder dass du mir weitergeholfen hast. Die ganzen sozialen Medien zeigen nur Ausschnitte aus einem Leben. Das ist nicht das wahre Leben! Wäre es dir aufgefallen, wenn ich diese Geschichte nicht erzählt hätte?

Jetzt hast du mich schon ein klein bisschen besser kennengelernt.

Bis bald!

Lara

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2 Gedanken zu “mystory #1

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