#12 Wochen Australien

Heute ist meine 12. Woche vorbei. Da ich diese Woche nichts spannendes erlebt habe, habe ich mir gedacht, dass ich dir mal zeige, was ich so in Australien gelernt habe. Dinge von denen ich gedacht habe, dass sie nie passieren werden und was ich immer noch nicht ganz verstanden habe.

Warum diese Woche nichts spannendes passiert ist, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, aber hier bekommst du einen kleinen Überblick:

Montag, 4.12: Heute war unsere Weihnachtsfeier und gleichzeitig die Abschiedsfeier von Laura. Nach der Arbeit sind wir zusammen essen gegangen. Es war richtig lecker. Wir waren in der Wok Bar in Manly. Sehr empfehlenswert.

Dienstag, 5.12: Der Tag bestand eigentlich nur aus Arbeit. Am Ende des Tages musste ich mich dann von Laura verabschieden. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass sie jetzt nicht mehr dort arbeiten wird. Es wird bestimmt super komisch werden.

Mittwoch, 6.12: Heute durfte ich nicht arbeiten, da die neuen Mädchen eingearbeitet werden müssen. Das Wetter war heute richtig verregnet, deswegen waren Laura und ich den ganzen Tag zuhause und schauten Filme. Es war mein erster richtiger Sonntag, den ich mir seit Monaten gewünscht hatte. Jetzt kann das Wetter aber auch wieder gut werden, denn ein Tag, wo man absolut nichts macht, reicht dann auch.

Donnerstag, 7.12: Die Arbeit war heute total verwirrend, denn wir müssen jetzt auf Zeit arbeiten. Irgendwie hat mich das total nervös gemacht. Am Abend waren Laura und ich dann noch auf dem Coral Festival in Manly, aber wir sind nach ungefähr 30 Minuten wieder gegangen, da einfach zu viele Kinder da waren, deswegen haben wir zuhause unsere eigene Weihnachtsparty gemacht. Es ist so witzig, denn Laura ist nicht nur meine zukünftige Reisepartnerin sondern auch meine Nachbarin.

Freitag, 8.12: Heute wollten wir mit Liz nach Palm Beach fahren. Leider fing es an in Strömen zu regnen. Als wir dort waren, hagelte es sogar! Wir wurden zum Glück von einem Mann mitgenommen, der uns am teuersten Restaurant aussetzte. Er dachte nämlich, dass Laura seine Enkelin war. Wir hatten alle Hunger, aber leider war die Küche schon geschlossen, deshalb gab es nur noch Kuchen und diesen glutenfreien, veganen Cookie. Den Aussichtspunkt haben wir leider nicht mehr gefunden, da wir uns dann lieber auf den Heimweg machten, da das Wetter einfach nicht besser werden wollte. Es war trotzdem ein super witziger Tag, aber ich hätte so gerne ein schönes Foto in Palm Beach gemacht. Das nächste Mal dann!

Samstag, 9.12: Die Sonne weckte mich und ich freute mich, denn heute wollte ich endlich mal an den Strand und ein bisschen Sonne tanken. Ich dachte um ehrlich zu sein, dass ich nicht mehr so einen hohen Sonnenschutz brauche. Falsch gedacht! Gerade haben Laura und ich noch einen Beach Walk nach Dee Why gemacht. Es ist so krass, dass ich morgen nach vier Wochen aus der Wohnung ausziehen muss. Momentan drücke ich mich noch ein bisschen vor dem Kofferpacken. Bin mal gespannt, ob ich alles reinbekommen werde.

Sonntag, 10.12: Heute bin ich gar nicht aus dem Bett gekommen. Ich wollte einfach nicht ausziehen und außerdem hatte ich extreme Selbstzweifel, da mich eine Nachricht von meiner Chefin ziemlich getroffen hat. Ich möchte mir eigentlich gar keine Gedanken darüber machen, aber irgendwie beschäftigt es mich total. Warum ich noch so unmotiviert war, könnte daran liegen, dass mich Laura heute verlassen hat. Einen richtigen Abschied hatten wir nicht, denn sie musste sich beeilen, da wir zu spät dran waren, aber ich denke, dass wir uns nächste Woche nochmal sehen werden. Nach dem Fitnessstudio machte ich mich dann auf den Weg nach Dee Why. Um ehrlich zu sein, fuhr ich zweimal. Einmal mit meinem Backpack und dann mit meinem Rucksack, da alles einfach viel zu schwer ist. Das Apartment ist richtig süß und der Vermieter ist das komplette Gegenteil zu Greg. Richtig süß und schüchtern. Greg werde ich schon vermissen, denn er hat mir immer weitergeholfen. Jetzt liege ich hier im Bett und mache meine eigene Christmas-Party ohne Laura und versuche irgendwie mein Selbstbewusstsein wieder zu finden.

Dear Greg, thank you. Thank you for the last 4 weeks. You helped me in so many situations and taught me that giving up is never an option.  I will try to live the Australian life and I try to remember your words. Be impeccable with your word. Don´t take anything personally. Don´t make assumptions. Always do your best. See you soon! You have to come to Würzburg. 

Was ich hier gelernt habe:

# hier scheint die Sonne nicht 24/7

Als ich in Sydney angekommen bin, war es eisig kalt. Klar, gibt es hier auch extrem heiße Tage, aber die kalten haben am Anfang überwogen. Ich bin mit einer langen Jeans angekommen, habe meinen Schal und alle warmen Sachen zuhause gelassen. Warum? Weil ich dachte, dass es hier nur warm wäre und die Sonne immer scheinen würde. Also musste ich mich hier erstmal neu einkleiden, aber das ist gar nicht so einfach, denn Winterjacken kann man hier nirgendwo kaufen. Am 1. Dezember war Sommeranfang und so langsam kommt der Sommer. Zwar mit Regen, aber auch mit vielen schönen Sonnentagen.

# man geht bei jedem Wetter surfen 

Ich verbinde surfen mit gutem Wetter und Sonnenschein, aber gerade wenn es regnet sieht man die Surfer zum Strand joggen. Es ist also ein Allwettersport. Apropos surfen. Einen Surfkurs wollte ich ja auch noch machen. Der steht auf jeden Fall noch auf meiner To-Do-Liste, denn man kann ja nicht ohne Surfkurs nach Deutschland zurückkehren.

# dass zwei Stunden Bus/ Zug fahren total normal ist 

Sydney ist so riesig und manchmal dauert es echt ewig bis man von A nach B kommt. In Manly war ich ehrlich gesagt ein bisschen überfordert, denn ich musste nur 10 Minuten Bus fahren. Man konnte es sich gar nicht bequem machen. Manchmal vermisse ich die langen Zugfahrten mit Selina, denn wir haben die Zeit immer sinnvoll genutzt und Serien geschaut. In Deutschland wird die Entfernung Würzburg – München mir vorkommen wie ein Katzensprung.

# dass nicht immer alles nach Plan läuft 

Ehrlich gesagt läuft hier nichts nach Plan. Egal was wir uns vorgenommen haben, am Ende war dann alles ganz anders. Ich bin ein Mensch, der gerne plant, aber auch gerne spontan ist, aber diese Spontanität hier ist nichts für mich. Es gab Phasen, da hatten wir keine Unterkunft für die nächste Nacht, da unsere Chefin nicht wusste, ob wir jetzt noch länger arbeiten können. Als Jakob dann die Wohnung schon einen Monat vorher buchen wollte, war das für mich schon ein Schock, denn das hat alles noch seine Zeit. Ich habe keine Ahnung wie meine Reise weitergehen wird, mit wem ich reisen werde und wohin. Ich habe keinen Plan und das ist auch gut so, denn man lernt immer neue Leute kennen, die einen inspirieren. Mit Laura fliege ich wahrscheinlich im Mai nach Bali. Den Flug werde ich aber auch ganz spontan buchen, da bis Mai einfach noch zu viel passieren kann.

# dass alles seine Zeit braucht

Man kann nicht in den ersten Wochen sagen, dass es hier doof ist. Man muss sich erstmal eingewöhnen und dem ganzen seine Zeit geben. Das habe ich auch bei der Jobsuche gemerkt. Man kann nicht einfach hier ankommen und denken, dass man in den nächsten Wochen einen Job findet. Das habe ich Antonella auch immer gesagt, denn sie war am Anfang so verzweifelt. Genau dann, wenn man sich damit abgefunden hat, dann wird man etwas finden.

# dass es gute und schlechte Tage gibt 

Jede Woche besteht aus Ups and Downs und ich denke, dass das ganz normal ist. Es wäre doch langweilig, wenn jeder Tag gut wäre. Das Leben stellt einem Aufgaben, die man lösen muss. Entweder man kämpft sich durch oder man scheitert. Aber aufgeben ist nie eine Option. Man muss sich einfach immer alles gut reden. Man findet bestimmt an jedem Tag eine Sache, die einen ein bisschen glücklich gemacht hat.

Was ich nie gedacht hätte 

# dass ich hier so eigenständig werde 

Ich bin ein Mensch, der eigentlich immer wegen allem zu seinen Eltern rennt. Meine Eltern wissen einfach alles über mich und ich frage sie eigentlich fast immer um einen Rat oder Hilfe. Hier hat sich das irgendwie geändert. Ich muss auf eigenen Beinen stehen. Wenn ich meine Eltern frage, was ich jetzt machen soll, dann sagen sie, dass ich das selber entscheiden muss. Dabei hätte ich gerne ein bisschen Entscheidungshilfe, aber ich kann auch verstehen, warum sie das machen, denn eigentlich weiß ich ja am Besten, was gut für mich ist. In den ersten Wochen habe ich immer noch gewartet, bis ich ein AirBnB gebucht habe und irgendwann war es mir dann zu blöd zu warten, denn sie sind ja auch nicht 24 Stunden wach. Ich bin froh, dass meine Eltern so viel Vertrauen in mich haben. Sie kontrollieren mich nicht 24/7 und lassen mich sozusagen mein eigenes Ding machen. Ich weiß aber auch, dass sie zu 100% hinter mir stehen und ich mich immer auf sie verlassen kann.

# dass ich hier so viel arbeiten werde 

Die meisten haben immer gesagt, dass ich mehr traveln werde anstatt zu worken. Falsch gedacht! Ich persönlich habe mir meine Reise auch anders vorgestellt, aber da ich mich momentan am Strand so wohl fühle, möchte ich sogar noch ein bisschen länger bleiben. Mit der Arbeit bin ich mir ehrlich gesagt noch nicht so sicher, aber wir werden sehen, was die nächsten Wochen mit sich bringen werden. Irgendwann werde ich dann auch mal reisen, aber es hat schon positive Seiten, wenn man arbeitet und es ist auch nicht so schlimm wie man sich es vorstellt (außer manchmal). Klar, gibt es hier viele, die ausgebeutet werden. Die in Australien 10- 15 Stunden arbeiten und dafür nur 200$ bekommen. Man wird hier als Backpacker oft sehr schlecht behandelt, aber man braucht halt einfach Glück. Man sollte nicht jeden Job annehmen und sich lieber nochmal umschauen, denn man möchte doch auch ein bisschen glücklich bei der Arbeit sein und sich nicht wünschen, dass es jetzt endlich vorbei ist. Man sollte sich selbst nie aufgeben nur weil man denkt, dass man eh nichts besseres findet.

# dass ich alleine reisen werde 

Nie im Leben hätte ich das gedacht! Und jetzt bin ich schon einen Monat alleine. Naja, so richtig alleine nicht, aber man trifft halt eben überall Leute. Momentan fällt es mir noch ein bisschen schwer auf wildfremde Menschen zuzugehen, aber alles braucht seine Zeit. Ich wollte nie alleine reisen. Nie! Am Anfang war es auch total komisch. Ich weiß nicht, ob du dich noch an meinen Blogpost #7 erinnerst. Wie schlecht es mir damals ging. Ich habe mir nur gewünscht, dass der eine Monat ganz schnell vorbei geht und jetzt fühle ich mich super wohl. Alleine sein, hat seine Vor- und Nachteile, aber das wichtigste ist doch, dass man sich alleine wohl fühlt. Wie komisch ist es denn bitte, wenn man mit sich selber nicht zurechtkommt. so many years of education yet no one taught us how to love ourselves and why it´s so important. 

Was ich immer noch nicht verstanden habe

# in welche Richtung man schauen muss bevor man über die Straße geht 

Ein alltägliches Problem, das echt total nervig ist, aber ich bekomme es einfach nicht in meinen Kopf. Ich stehe immer wie ein schüchternes Reh am Straßenrand und schaue mindestens viermal nach rechts oder links, da ich das hier einfach nicht einschätzen kann. Aber lieber zu oft schauen, als so wie Selina einfach auf die Straße rennen. Sie musste ich schon oft vor den bösen Autos retten. Manchmal schaue ich sogar in die richtige Richtung. Ich werde von Tag zu Tag besser.

# dass es hier an Weihnachten bis zu 45°C haben kann

Es ist so komisch die Leute hier am Strand zu sehen. Wie sie sich alle zu Christmas Parties treffen und sich verkleiden. Hast du schon mal einen Typen in Badehose und Weihnachtsmütze gesehen? Ich davor auch noch nicht, aber jedes Mal zaubert mir dieses Bild ein Lächeln ins Gesicht. Jetzt nicht der Typ. Nein, die Leute, die sich treffen um zusammen zu essen und zu feiern. Man merkt richtig, wie sie sich auf Weihnachten freuen und man merkt, dass Weihnachten die Leute zusammenbringt.

# dass man nicht immer alles umrechnen sollte 

Auf gar keinen Fall sollte man damit anfangen. Ok, ich muss zugeben, dass ich es immer noch mache. Aber die Lebensmittel sind hier einfach so teuer. Insgesamt ist alles viel zu überteuert. Ich versuche immer Sachen zu kaufen, die im Angebot sind oder abends zum einkaufen zu gehen. Umrechnen ist echt das schlimmste und meine Eltern sagen mir immer, dass ich nicht alles umrechnen soll, aber irgendwie mache ich es immer noch. Hier kostet zum Beispiel Magnesium bei ALDI 5$ (3,20€) und in Deutschland bei dm 0,79€. Ich sehe es einfach nicht ein so viel Geld dafür auszugeben.

# warum manche Leute so hinterhältig sind 

Egal ob in Deutschland oder hier. Man wird sie immer finden. Menschen von denen man dachte, dass sie eigentlich nett sind, dass sie deine Freunde sind, dass man sich auf sie verlassen kann, dass man ein gutes Verhältnis zu ihnen hat. Manche Menschen sind einfach so verlogen. Ich möchte nicht sagen, dass ich noch nie schlecht über einen Menschen geredet habe, aber ich hasse es wenn man es einem nicht persönlich sagt. Man sollte zu seiner Meinung stehen und man sollte es der Person immer persönlich mitteilen und nicht via WhatsApp. Ich persönlich sage es den Menschen, was mir nicht passt und eigentlich dachte ich, dass man das heutzutage auch noch so macht. Falsch gedacht. Heutzutage wird alles über das Handy geregelt anstatt einem Menschen seine Meinung ins Gesicht zu sagen. Manchmal wünsche ich mir, dass ich in einem anderen Jahrtausend geboren worden wäre. In einem Jahr, wo sich die Leute noch Briefe geschrieben haben und wo man sich immer an ein Treffen gehalten hat und nicht kurz vorher absagen konnte. Es würde einem das Leben zwar auch schwieriger machen, aber vielleicht würde man weniger verletzt und enttäuscht werden. Vielleicht.

12 Wochen Australien. Nächste Woche wird spannend. Jakob kommt nach Sydney. Übermorgen. Übermorgen! Wir werden uns nach drei Monaten wieder sehen. Ich bin gespannt und habe um ehrlich zu sein Angst. Angst davor, dass es sich alles anders anfühlt. Wir haben uns drei Monate nicht gesehen, haben uns weiterentwickelt und jeder hat sozusagen sein eigenes Leben geführt. Ich bin gespannt, ob es genauso sein wird wie vorher oder besser oder schlechter. Auf der einen Seite freue mich und auf der anderen Seite möchte ich nicht, dass er kommt, denn ich weiß was danach kommt. Viele Wochen in denen wir uns wieder nicht mehr sehen, in denen wir vielleicht auch keinen Kontakt haben können, da es z.B. kein WLAN gibt. Momentan bin ich wieder in so einer Phase, wo ich am liebsten meinen Rückflug buchen möchte. Ich möchte in meinem Bett liegen und einfach nur zuhause sein. Zuhause bei meiner Familie. Besonders in den letzten Tagen habe ich gemerkt, dass ich doch nicht immer die starke Lara sein kann. Man kann aber auch nicht immer stark sein. Ich habe Angst vor dem kommenden Jahr. Ich habe Angst, dass Selina und ich uns schon wieder verloren haben. Ich habe Angst die falschen Entscheidungen zu treffen. STOPP! Viel zu viele negative Gedanken. Ich sollte mir nicht so viele Gedanken machen und das Leben einfach genießen. Genieße jeden Tag als wäre er dein letzter! Es wird alles gut werden und es wird alles so kommen, wie es kommen soll. Jetzt kommt Jakob auf jeden Fall erstmal und ich habe erstmal Urlaub. Ich freue mich auf eine Zeit ohne Sorgen. Ich muss mir keine Gedanken machen und möchte die Zeit nur genießen!

See you!

Lara

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s