Mein richtiges Leben zu Besuch #13

Montag, 11.12

Mein letzter Arbeitstag! Heute war ich so nervös, da ich einfach nicht wusste, wie die Stimmung auf der Arbeit sein wird. Als ich mit dem Aufzug hochfuhr fühlte ich mich eher so als würde ich dort zum Probearbeiten gehen. Natürlich war meine ganze Panik wieder ganz umsonst, denn irgendwie war alles wie immer. Ich kann gar nicht fassen, dass das heute mein letzter Arbeitstag in diesem Jahr ist. Ich weiß nicht, ob ich mich auf meinen Urlaub freuen kann. Nach der Arbeit ging ich noch trainieren und fuhr dann mit dem Bus zur Wohnung. Das blöde an der Wohnung ist, dass man mit dem Bus fahren muss. Ich vermisse den Weg von Freshwater nach Manly schon ein bisschen. Jetzt liege ich im Bett und bekomme gerade einen kleinen Nervenzusammenbruch. Morgen kommt Jakob. Soll ich mich freuen oder nicht? Es wird bestimmt total komisch werden. Ich habe Angst. Auch Angst davor was passiert, wenn alle wieder weg sind. Momentan komme ich ziemlich gut alleine zurecht, also darf ich mich nur nicht daran gewöhnen. Ich weiß, dass es für mich schwierig wird die Zeit zu genießen, denn ich weiß ja was kommt. Am liebsten würde ich jetzt meinen Rückflug buchen für Januar. Ich habe keine Ahnung, warum ich gerade so drauf bin, aber es ist wirklich das größte Gefühlschaos.

Dienstag, 12.12

Heute wachte ich mit schwitzigen Händen auf. So aufgeregt war ich. Die Zeit verging  überhaupt nicht. Warum kann ich nicht einfach wieder arbeiten gehen? Am Morgen ging ich wieder trainieren und machte mich dann nach dem Duschen auf dem Weg zum Flughafen. Antonella hatte mich gewarnt, dass der Zug zum Flughafen teuer ist, aber mit $15 habe ich wirklich nicht gerechnet. Jakob hat gemeint, dass er am Terminal 2 ankommt, also wartete ich dort verzweifelt. Als ich dort stand und die ganzen Backpacker sah, die zusammen reisten, musste ich mich schon ein bisschen zusammenreißen, dass ich nicht anfange zu heulen. Als Jakob nach 20 Minuten immer noch nicht da war, rannte ich zum anderen Terminal, denn ich wollte ihn endlich mal richtig abholen. In Mallorca habe ich das damals auch nicht geschafft. Als ich ihn nicht fand, wurde ich schon leicht nervös, denn es ist ein riesiger Flughafen und wie soll man einen finden, der keine Nachrichten empfangen kann. Zum Glück hat er irgendwo WLAN gefunden und mir dann geschrieben, dass er schon an dem Gepäckband steht. Also war ich schon wieder zur falschen Zeit am falschen Ort. Das Wiedersehen war komisch. Ja, komisch, denn er hat mich als erstes nicht erkannt und auch ich finde, dass er sich vom Äußerlichen verändert hat. Es war total anders wie man sich so ein Wiedersehen nach drei Monaten vorstellt. Es war jetzt nicht schlecht, aber man war halt nicht so vertraut wie sonst, sondern eher schüchtern. Ach, eigentlich kann man das gar nicht in Worte fassen. Ich habe mich auf der einen Seite gefreut und auf der anderen Seite wusste ich , dass er nur drei Wochen bleibt. Als wir in dem AirBnB ankamen, musste Jakob sich natürlich erstmal ein bisschen ausruhen, denn so einen Flug ist echt nicht so leicht wie man es sich vorstellt. Am Abend machten wir dann noch einen Beachwalk von Dee Why nach Curl Curl. In Curl Curl nahmen wir dann den Bus, da wir totalen Hunger hatten. In Manly kauften wir dann Sushi und setzten uns an die Wharf. Es war so ein wunderschöner Sonnenuntergang und fühlte sich genauso unreal an wie die ganze Situation heute. Es war der perfekte Abschluss von einem perfekten Tag.

Mittwoch, 13.12

Den Morgen verbrachten wir am Strand. Es ist einfach das Schönste nach dem Aufstehen gleich an den Strand zu gehen. Dee Why ist das komplette Gegenteil zu Manly, denn wir waren fast alleine am Strand. Nach dem Frühstück wollte ich Jakob ein bisschen mein Leben hier zeigen. Also machten wir einen Beachwalk von Dee Why nach Shelly Beach. Es war so heiß, so anstrengend und der Weg war viel zu lang. Wir sind an dem Strand von Curl Curl, Freshwater und Manly vorbeigelaufen. Jetzt weiß Jakob, wo ich im Januar leben werde (das habe ich dir ja noch nicht erzählt! Ich werde im Januar zusammen mit Laura wieder bei Greg wohnen.), wie mein täglicher Arbeitsweg ausschaut, wo ich arbeite und wo ich meine Freizeit verbringe. In Manly gingen wir ein bisschen shoppen. Jakob hat sich ein bisschen in Manly verliebt. Das kann ich natürlich auch verstehen, aber für mich ist es so schwierig ihm hier schöne Ecken zu zeigen, denn für mich ist das alltäglich. Nachmittags machten wir uns wieder auf den Weg nach Dee Why. Nach 28.000 Schritten kamen wir endlich zuhause an. Nach dem Abendessen oder meinem Abendessen, denn Jakob ist nach ein paar Bissen fast eingeschlafen, machten wir uns noch auf den Weg ins Fitnessstudio. Es war komisch mal nicht alleine zu trainieren, aber hat richtig Spaß gemacht. Jetzt bin ich total fertig und bin gespannt, ob ich morgen noch irgendwelche Kraft in meinen Beinen habe, denn der Beachwalk war wohl eher eine Wanderung.

Donnerstag, 14.12

Da heute wieder perfektes Wetter war, machten wir uns auf den Weg nach Cronulla. In Cronulla hat bei mir alles angefangen. Es ist dort einfach so wunderschön, aber im Gegensatz zu damals, waren viel viel mehr Menschen dort. Als ich am Strand ankam, war ich erstmal geschockt, denn man kann es einfach nicht mit damals vergleichen. Wir trafen uns mit Laura, denn Jakob wollte auch meine Freunde hier kennenlernen. Es war ein extrem sonniger, heißer und windiger Tag. Nach ein paar Minuten fühlte man sich wie einpaniertes Schnitzel. Wir waren auch im Wasser. Ich würde sagen, dass ich heute so richtig im Meer war. Es waren extrem hohe Wellen und es so viel Spaß gemacht. Ich habe mich gefühlt wie ein kleines Kind. Schon lange habe ich nicht mehr so unbeschwert lachen können. Die ganzen Sorgen der letzten Tagen sind in den Wellen untergegangen. Am Abend machten wir uns auf den Weg nach Central. Hab ich schonmal gesagt, dass Central abends und in der Weihnachtszeit wunderschön ist. Ich habe es endlich mal geschafft mir die Lichter an der St. Mary´s Cathedral anzuschauen. Es war einfach magisch. Einfach alles. Ich weiß nicht, wie man es hier nicht schaffen kann in Weihnachtsstimmung zu kommen. Wir haben uns dann an der Kirche hingesetzt und das Spektakel beobachtet. Die Videos, die auf die Kirche gestrahlt werden, erzählen alle eine Geschichte. Ein Video hat mich ein bisschen zum Nachdenken gebracht. Wir verbringen wirklich zu viel Zeit an unserem Handy und merken gar nicht, was um uns herum geschieht. Wie wunderschön die Welt ist. Wie bunt alles ist. Wie es den Menschen um uns herum geht. Ich habe mir vorgenommen darauf mehr zu achten weniger am Handy zu sein und dafür lieber die Zeit zu genießen, denn so entdeckt man die schönsten Ecken der Stadt.

Freitag, 15.12

Der Tag startete mit großer Hektik, denn der Hausschlüssel war verschwunden. Nach gut 20 Minuten suchen, haben wir ihn dann auch mal gefunden, aber das nächste Problem war schon im Anmarsch. Ich konnte meine Opal Card nirgendwo finden. Der Tag war für mich also schon gelaufen, denn ich hatte sie gestern erst mit $20 aufgeladen. So viel Geld einfach weg. Ich hätte fast angefangen zu heulen oder zu schreien oder beides gleichzeitig. Nach dem großen Chaos machten wir uns dann auf den Weg nach Central, denn wir wollten uns eigentlich schon um 9 Uhr mit Liz treffen. Eigentlich um 9 Uhr und eigentlich wollten wir nach Palm Beach, aber das Wetter spielte nicht so ganz mit, deshalb entschieden wir uns für Geld ausgeben. Jakob sollte mal das richtige Sydney erleben mit all den Asiaten und Chinesen etc. Wir trafen uns bei Paddys Market und kauften ein paar Weihnachtsgeschenke ein. Heute war es im Vergleich zum Wochenende extrem leer. Jakob war ziemlich fertig, da er noch Jetlag hat. Nach dem shoppen sind wir noch ein bisschen durch die Stadt gelaufen und ich war am Darling Harbour. Das erste mal. Liz meinte, ob ich das ernst meinen würde, aber ja, ich war dort wirklich noch nicht. Nach vielen Kilometern laufen, kamen wir dann total fertig zuhause an. Momentan fühle ich mich so, als hätte ich auch Jetlag. Vielleicht ist es ja ansteckend. Morgen hat Jakob Geburtstag und ich habe keine Ahnung ob ihm mein Geschenk passt oder nicht. Ich habe keine Ahnung, was wir morgen machen werden, aber hier lebt man eben day for day.

Samstag, 16.12

Happy Birthday, Jakob! Als ich um 6 Uhr aufwachte, machte ich mich auf den Weg zu Coles, denn ich wollte Jakob einen richtigen australischen Geburtstag schenken. Zum Frühstück gab es dann einen Tim Tam Geburtstagskuchen. Ich war echt neidisch, denn Tim Tams sollen ja angeblich das Beste sein und ich kann sie nicht essen. Als nächster Punkt stand Bondi Beach auf dem Programm. Das Wetter zeigte sich heute natürlich wieder von seiner besten Seite. So langsam hab ich das Gefühl, dass immer wenn Liz und ich etwas unternehmen das Wetter schlecht ist.  Bondi war für mich so wie immer und für Jakob ach da hab ich keine Ahnung. Ich glaube, dass er immer noch ein bisschen unter dem Jetlag leidet. Es ist aber bestimmt auch krass, denn der Unterschied zwischen -4C und 30C ist ja auch nicht gerade wenig. Ich hoffe, dass er trotzdem einen schönen Tag hatte. Nachmittags waren wir dann noch im westfield und Jakob hat ein bisschen geshoppt. Wir haben uns dann was zum Essen gekauft, chicken curry und terriaky chicken für insgesamt $7. Damit sind wir dann zum Circular Quay gefahren und haben uns oberhalb vom Opera House in den Park gesetzt. Dieses Picknick hatte wohl die beste Aussicht, die man sich vorstellen kann. Sydney ist einfach so wunderschön. Ich bin froh, dass ich hier bin. Auch wenn es am Anfang schwer war. Man muss einfach immer weiterkämpfen und darf nie aufgeben.

Sonntag, 17.12

Es war so klar, dass das Wetter heute wieder nicht so mitspielt. Heute wollten wir mit der Fähre nach Sydney fahren, da es sonntags einfach total günstig ist. Das Opera House ist bei Sonnenschein einfach tausend mal schöner. Leider war heute keine Sonne da. Als wir am Circular Quay ankamen, erkundeten wir erstmal The Rocks. Heute war wieder der Markt und wir genossen einfach die Zeit. Danach nahmen wir die Fähre nach Rose Bay, denn dort wollte ich unbedingt mal hin, da der Strand von der Fähre aus immer so schön aussah. Der Ort war eher langweilig, aber ich denke, dass es auch am Wetter liegt. In Watsons Bay zeigte ich Jakob den Leuchtturm und danach schlenderten wir noch durch die wunderschönen Straßen und bewunderten die Häuser. Ich möchte gar nicht wissen wie viel man hier für ein Haus ausgeben muss. Ich würde so gerne hier wohnen. Direkt am Strand. Das wäre ein Traum. Ein Traum, den ich mir nicht verwirklichen möchte/ kann, denn ich finde es schöner an solchen wunderschönen Orten Urlaub zu machen. Auszuwandern wäre für mich keine Option (Keine Angst, Mama). Heute waren wir irgendwie total fertig. Ich bin sogar auf der Busfahrt eingeschlafen. Das Wetter war so drückend und schwül, das sollte ich vielleicht nicht schreiben, denn mein Papa hat jetzt schon ein bisschen Angst vor dem Wetterunterschied. Eigentlich ist hier ein typisch deutsches Sommerwetter. Jetzt schauen wir noch den Weihnachtsfilm Merry Kissmas. Ich bin total in Weihnachtsstimmung, das ist auch ziemlich einfach hier, denn es ist alles weihnachtlich geschmückt und überall laufen Weihnachtslieder.

Jetzt bist du wieder up to date, weißt alles über meine Woche. Diese Woche habe ich gemerkt, dass ich mich vielleicht doch ein bisschen verändert habe. Veränderungen müssen aber nicht unbedingt schlecht sein. Man muss einfach schauen was man daraus macht, ob die anderen damit zurecht kommen oder nicht. Momentan habe ich wieder ein bisschen Angst in meine alten Gewohnheiten zurückzufallen. Das merke ich zum Beispiel schon beim Essen bestellen. Eigentlich würde ich lieber Jakob vorschicken, aber ich habe doch auch eine Stimme. Man sollte sich immer daran erinnern, wer man ist, wo man hingehört und sollte sich nicht unnötig verstellen. Im Moment ist es nicht einfach wieder jemanden bei sich zu haben. Ich baue eine Mauer auf. Man kann nicht einfach das WLAN deaktivieren, damit man seine Ruhe hat, man muss sich seinen Gefühlen stellen. Es ist komisch nicht mehr alleine zu sein. Ungewohnt. Ich freue mich schon darauf, wenn meine Familie kommt. Klar habe ich auch ein bisschen Angst, aber ich freue mich endlich wieder die Menschen um mich zu haben, die ich am meisten brauche.

xoxo

Lara

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