Our Roadtrip #15

Montag, 25.12

Die Woche startete sportlich in Cape Otway, denn wir wollten die Wasserfälle sehen. Eigentlich war der Weg nur fünf Kilometer, aber irgendwie zog es sich total, denn man musste ewig im Sand laufen. Zudem waren die Fliegen echt nervig. Man kann sich gar nicht vorstellen wie nervig. Kann man wirklich nicht. Es hat mich so an die Farm erinnert und meine Eltern haben mich endlich verstanden, warum ich von der Farm weg wollte. Sie waren überall. Sogar an den Augen und am Mund. Man kam sich so vor wie eine Kuh. Meine Mama hatte ungefähr zwanzig Stück auf ihrem Rücken. Es war wirklich ekelig. Richtiges Backpackerleben. Die Wasserfälle waren dann allerdings enttäuschend, also nicht so empfehlenswert. Dafür haben wir riesige Muscheln gefunden, die man ja leider nicht mitnehmen darf. Ich weiß nicht wie viele Stunden wir unterwegs waren. Ich weiß nur, dass es super heiß war. Danach sind wir zum Port Campbell gefahren und haben uns dort erstmal ausgeruht. Es war eine schöne Bucht, doch wir wussten nicht, ob man dort übernachten darf. Deshalb sind wir ein paar Straßen weitergefahren. Der Platz war einfach perfekt. Abends beim Kartenspielen hat uns ein Junge erschreckt, der uns fragte ob man hier campen darf. Wir hatten schon Panik, dass die Polizei kommt.

Dienstag, 26.12

Der Tag startete früh am Morgen, denn nachdem meine Mama aus dem Fenster geschaut hat, hat sie gemeint, dass es das perfekte Wetter für die Twelve Apostels wäre. Das war es auch. Die Sonne ist gerade aufgegangen und es war Nebel über dem Meer. Es sah so wunderschön aus. Viel schöner als auf den Bildern. Und das perfekte war, dass nicht so viele Leute dort waren. Danach haben wir erstmal gefrühstückt und haben uns dann noch die anderen „Attraktionen“ angeschaut. Loch Art George, London Arch, Shaping a Grotto, Birth of a bay und viele andere Aussichtspunkte. Die Grotte hat mir am besten gefallen, denn es sah aus wie ein Gemälde. Nachmittags sind wir nach Warrnambool gefahren. Die schwierigste Aufgabe des Tages war: den richtigen Stellplatz zu finden, denn wir haben den Plan einfach nicht gecheckt. Nach zwanzig Minuten und Hilfe von den anderen Campern haben wir es dann auch irgendwann geschafft. Am Strand war es leider schon zu kalt. Meine Eltern haben sich auf ganz anderes Wetter eingestellt und haben echt nicht gedacht, dass es wirklich so kalt ist. Irgendwie ist es noch nicht so richtig Sommer und wenn mich jemand fragt wie ich mit dem Wetter hier zurecht komme, denke ich auch, dass jeder denkt, dass es in Deutschland immer Temperaturen um den Gefrierpunkt hat. Das Wetter kann man hier mit dem Deutschen vergleichen. Also nichts mit 24/7 Sonnenschein.

Mittwoch, 27.12

Heute war das Wetter endlich mal gut. Eigentlich schon wieder zu heiß, aber man darf sich nicht beschweren. Der Morgen startete schon mit einer guten Nachricht oder auch einer schlechten. Die schlechte: Alinas Koffer ist immer noch in Shanghai. Die gute: es hat endlich mal jemand angerufen und wir wissen jetzt was wir machen müssen. Air China hat echt einen Knall, denn wir sollen ein Formular ausdrucken, es dann unterschreiben und dann eingescannt wieder zurückschicken. Wie soll man das denn bitte machen, wenn man mit einem Camper unterwegs ist? Ich meine, man hat heutzutage ja überall einen Drucker und Scanner dabei. Also mussten wir uns erstmal auf die Suche nach einem Drucker machen. Zum Glück war die Frau in dem Hotel so freundlich und hat uns alles ausgedruckt. Hoffen wir mal, dass das Air China jetzt reicht und sie den Koffer endlich weiterschicken. Ich meine nach fünf Tagen kann man das auch mal machen. Nach der Drucker-Suchaktion machte ich mich dann auch mal endlich auf dem Weg zum Strand. Nachmittags fuhren wir zum Tower Hill Reserve, denn meine Mama wollte endlich Kängurus sehen. Ich habe echt Panik, dass wir keine finden. An diesem Tag hatten wir auch leider kein Glück. Dafür haben wir Emus und eine Schlange gesehen. Ja, eine echte Schlange! Meine Mama hat sie beim vorbeilaufen entdeckt. Wie man es sich vorstellen kann: meine Mama auf der einen Seite, die Schlange in der Mitte und wir vier auf der anderen Seite. Mein Papa hat gemeint, dass wir jetzt umdrehen müssen und meine Mama alleine weiterlaufen muss, da die Schlange ihren Kopf oben hat. Nachdem wir dann ein bisschen gewartet haben und ganz leise waren, ist sie dann endlich weitergezogen. Danach hatten wir alle ein mulmiges Gefühl, denn wir waren auch ganz alleine in diesem Park, aber wir haben es überlebt! Für die Nacht haben wir den perfekten Platz gefunden. Eigentlich, denn eine Frau hat uns dann darauf hingewiesen, dass sie um 11 Uhr die Polizei ruft. Also mussten wir mitten in der Nacht noch einen Platz finden. Ich habe gedacht, dass die Australier freundlich sind.

Donnerstag, 28.12

Da wir gestern keine Kängurus gesehen haben und das auf der To-do-Liste meiner Mama steht, fuhren wir zum Grampians Nationalpark. Die Frau an der Info musste lachen, als wir sie fragten, wo man denn Kängurus in der freien Wildbahn sehen kann, denn eigentlich sind sie überall. Nur halt nicht da, wo wir bis jetzt waren. Im Internet habe ich gestern gelesen, dass sie auch oft auf Golfplätzen sind. Also stellten wir uns auf einen verlassenen Golfplatz und machte uns auf die Suche. Und tatsächlich! Nach ca. 30 Minuten suchen, hüpfte ein Känguru mit seinem Baby vor unserer Nase herum. Es war so unglaublich. Wie sie gehüpft sind und welche Geräusche das gemacht hat. Unbeschreiblich. Ich habe zwar schonmal Kängurus gesehen, aber irgendwie war es diesmal tausendmal schöner. Auf dem Weg zum Campingplatz haben wir natürlich noch mehrere Kängurus gesehen. Wenn man sie einmal gefunden hat, sind sie wirklich überall. Heute haben wir auch noch einen richtigen Wasserfall gesehen. Es hat mich richtig an Kroatien erinnert, denn es waren genauso viele Leute dort wie bei den Krka-Nationalpark. Jetzt sind wir am Campingplatz und spielen Stadt,Land, Fluss. Ich liebe dieses Spiel einfach und es ist macht immer so gute Laune. Die besten Berufe, die sich Jakob ausgedacht hat: Zuggleisverleger, Grießbreikocher, Nasenlochreiniger, Rechenlehrer und UV-Strahlenberechner. Mein Papa hat sich dann eingebildet, dass er Steno schreiben könnte, gewinnen tut er trotzdem nicht.

Freitag, 29.12

DER KOFFER IST ANGEKOMMEN! Die gute Nachricht mal zuerst. Heute Morgen sind wir einfach mal so zum Flughafen gefahren, da wir niemanden erreicht haben und siehe da: er war da. Ich hatte so eine Gänsehaut und habe fast angefangen zu heulen. So lange haben wir auf ihn gewartet und jetzt nach tausenden Anrufen, wo niemand dran gegangen ist, ist er endlich da! Nach diesem freudigen Ereignis waren wir erstmal in Melbourne, haben uns die Stadt angeschaut und haben ein bisschen eingekauft. Heute hat mir Melbourne irgendwie besser gefallen. Nachmittags waren wir noch in St. Kilda und haben dort einen Stellplatz gesucht. Ja, wir wissen, dass man dort nicht unbedingt übernachten sollte, aber wir haben es einfach mal ausprobiert und ein Schild, dass campen verboten ist, haben wir nicht gefunden. Am Abend haben Jakob und ich einen Strandspaziergang gemacht, der letzte für dieses Jahr. Die Zeit mit ihm verging so wahnsinnig schnell und momentan fühlt es sich so an, als würde er mit mir hier bleiben, aber ich weiß, dass das nicht passieren würde. Ich habe echt gedacht, dass wir so ein Work and Travel Jahr nicht zusammen hinbekommen hätten, aber dieser Urlaub hat mir gezeigt, dass wir das auch geschafft hätten.

Samstag, 30.12

Am Morgen wurden wir von einem Parkwächter geweckt, der uns erklärte, dass wir hier nicht campen dürfen. Er war aber total freundlich und wir konnten einfach stehen bleiben und weiterschlafen. Von unserem Parkplatz liefen wir nach Brighton, denn Sport am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Das Wetter war nicht so perfekt. Es war super windig und man fühlte sich eher so wie an der Nordsee. Dafür waren die Brighton Beach Houses wunderschön. Meine Eltern waren zwar nicht so begeistert, da sie die Häuser in Brighton/England schon gesehen haben, aber wir hatten unseren Spaß. Wir haben so so viele Bilder gemacht und sogar mal ein schönes Familienbild. Beim vorletzten Haus fing es dann an zu tröpfeln. Deshalb machten wir uns auf den Nachhauseweg. Leider schafften wir es nicht bis zum Auto, denn es fing auf einmal richtig an zu stürmen und zu schütten. Deshalb sind wir in ein Restaurant geflüchtet. Das Essen war super lecker und vor allem die Chips waren die besten, die ich je gegessen habe. Nachmittags machten wir uns dann auf den Weg nach Melbourne. Es war echt komisch mal wieder in so einer riesigen Stadt zu sein. Heute hat mir Melbourne irgendwie besser gefallen. Ich kann gar nicht sagen warum, aber ich denke, wenn man sich ein bisschen auskennt und nicht nur rumirrt, ist es besser. Wir waren shoppen und ich habe endlich neue Turnschuhe gekauft! Jetzt kann ich meine Nikes endlich wegschmeißen. Wenn man vier Monate die gleichen Schuhe anhat, ist das ziemlich ekelig. Es war das erste mal, dass ich Turnschuhe wegwerfen musst, da sie ausgelatscht waren.

Sonntag, 31.12

Der letzte Tag des Jahres ist gekommen und somit auch der letzte Tag für Jakob in Australien. Der letzte Tag zusammen für eine lange Zeit. Nach dem Frühstück direkt am Meer machten wir uns auf den Weg zum Campingplatz. Leider war unser erster Anlauf ohne Erfolg, da die meisten Campingplätze schon ausgebucht sind. Trotzdem haben wir noch einen Platz in Warribee bekommen. Zwar nicht der schönste, aber es ist ja nur für eine Nacht. Wir haben eigentlich nur eine Dusche und Strom gebraucht, sonst hätten wir wieder im Freien gecampt. Danach machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Mit so einem riesigen Camper durch die Stadt zu cruisen, ist ganz schön anstrengend und nicht so empfehlenswert. Es war super schönes Wetter und eigentlich viel zu heiß um shoppen zu gehen, aber wir mussten Jakob später zum Flughafen bringen. Wir zeigten meinen Eltern unser AirBnB und gingen sozusagen illegal auf die Dachterrasse. Die Sicht war  so schön, aber lange hat man es dort oben nicht ausgehalten, denn es war einfach zu warm. Wenn man schonmal in Melbourne ist, muss man natürlich auch auf den Queen Victoria Market gehen. Es war heute voller als beim letzten Mal, aber auch schöner, da noch so kleine Stände aufgebaut waren. Wir haben sogar die typischen australischen Trinkflaschen ziemlich günstig bekommen. Nachmittags gingen wir wieder bei Guzman Y Gomez essen, da Jakob schon wieder Hunger hatte. Das Essen dort ist einfach so gut und es ist so witzig Jakob beim Essen zu beobachten, denn immer wenn er was scharfes isst, dauert es keine Minute und er bekommt den größten Schweißanfall. Dann war es leider Zeit zum Flughafen zu fahren. Irgendwie konnte ich es den ganzen Tag nicht glauben, dass er heute fliegt. Er meint zwar, dass wir uns bald wieder sehen, aber ich weiß, dass dieses bald noch viele Monate sind. Natürlich bin ich traurig, dass wir jetzt nicht mehr zusammen sind, aber ich wusste auf was ich mich einlasse. Abends gingen wir dann noch am Strand spazieren und genossen den Sonnenuntergang. Ich war total traurig und musste auch kurz vor Mitternacht heulen, da ich weiß, dass ich in vier Tagen wieder alleine bin. Wie schnell ist die Zeit denn vergangen? Wir haben natürlich das beste aus dem Abend gemacht, aber so richtig in Stimmung gekommen bin ich nicht. Erst nach Mitternacht als wir „Wer bin ich?“ gespielt haben. Wir haben so viel gelacht. Ich werde diese Abende wirklich vermissen. Ich werde alles vermissen. Alles.

Das war meine Woche. Wir haben wirklich ziemlich viel erlebt. Viel gelacht, geweint, gestritten und geredet. Es war einfach alles so wie immer. Es hat sich nichts geändert. Ich hatte Angst, dass ich keinen Anschluss mehr zu meiner Familie finde, dass sie mich nicht mehr akzeptieren. Es hört sich zwar komisch an, aber es hätte ja sein können. Wir waren vier Monate auf verschiedenen Kontinenten. Es hat sich viel verändert. Natürlich wäre ich auch gerne zuhause gewesen, aber ich denke, dass ich das machen musste. Ich weiß nicht, wie lang ich noch in Australien bleiben werde, wie stark mein Heimweh wird und wann ich endlich wieder nach Hause fliege. Ich weiß, dass sich jeder freuen würde, wenn ich wieder zuhause bin, aber ich weiß auch, dass sie wollen, dass ich meine Zeit ausschöpfe.

Das Jahr 2017 ist vorbei, dass heißt aber nicht, dass jetzt alles besser wird, dass es keine schlechten Tage mehr gibt. Ich bin zwar bereit für 2018, aber ich weiß auch, dass es nicht immer einfach sein wird. Das wichtigste ist doch, dass man nie aufgibt, dass man immer weitermacht, sich nicht selbst verliert und dass man seinen Träumen folgt. Ich bin gespannt was das neue Jahr mit sich bringt!

Liebes 2018, 

sei voller Überraschungen, Liebe, Freundschaft, schöner Momente, Aufgaben, Ups and Downs, Herausforderungen. Sei einfach ein Jahr wie auch die anderen. Es gibt kein perfektes Jahr, aber es gibt Momente und Menschen, die das Jahr perfekt machen. 

Bis Sonntag

Lara

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