I am afraid of…

Puh wie soll ich das Thema ansprechen.

Momentan habe ich noch keinen Rückflug, aber diesen muss ich irgendwann DIESES JAHR mal buchen. Ich habe Angst ihn zu buchen. Ich habe Angst nach Hause zu gehen. Ich habe einfach Angst wieder in meinen Alltag zurückzukehren. Warum? Das versuche ich dir jetzt zu erklären. Es wird zwar ein bisschen schwierig, aber ich versuche es.

Australien ist nicht das richtige Leben. Dein Leben ist sozusagen auf Pause gestellt. Hier macht man Dinge, die man zuhause nicht machen würde. Klar ist das hier auch dein Leben, aber es ist anders.

Es ist dir egal, wie doof dein Job ist, denn du machst ihn nur für ein bis zwei Monate.

Es ist dir egal, was du isst, denn du weißt, wenn du zuhause bist, kann die gesunde Ernährung wieder starten.

Es ist dir egal, wo du du schläft, denn Hauptsache du hast ein Dach über dem Kopf und es ist einigermaßen günstig.

Es ist dir egal, wie du rumläufst, denn hier weißt du, dass du niemanden beeindrucken musst und auf einem Road Trip kann man halt leider nicht jeden Tag duschen.

Es ist dir egal, von welcher Marke deine Kleidung ist. Backpacker battlen sich sozusagen darum, wer was für wieviel Dollar gekauft hat. Man freut sich über jedes Schnäppchen.

Es ist dir egal, ob deine Tage hier eintönig sind, denn so etwas wird man so schnell nicht mehr erleben können.

Es ist dir egal, wann man die Wäsche macht. Man muss sie halt einfach machen, wenn man nichts mehr zum anziehen hat.

Hier ist alles anders. Es ist zwar dein Leben, aber auch nicht ganz das wahre Leben. Und bitte denke jetzt nicht, dass ich hier den größten Pennerlifestyle lebe. Nein, so schlimm ist es noch nicht.

Zuhause heißt es dann auf die Plätze, fertig, los. Die Tür geht auf und du begegnest deinem echten Leben. Zuhause geht dein Leben wieder los. Dein richtiges Leben. Das Leben, in dem du hart arbeiten musst um eine schöne Zukunft zu haben. Zuhause kann man nicht einfach nichts tun.  Zuhause hat man Aufgaben und Verpflichtungen. Zuhause kann man sich richtige Sorgen machen und muss sich nicht solchen Luxusproblemen stellen, wie ob man jetzt die Westküste oder Ostküste bereisen sollte.

Zuhause ist der Ort, wo man eigentlich hingehört. Zuhause warten Menschen sehnsüchtig auf dich. Zuhause hat man Unterstützung und muss sich nicht mit seinen Problemen alleine herumschlagen. Zuhause ist man in der richtigen Zeitzone und muss nicht einen halben Tag auf eine Antwort warten. Zuhause ist auch eigentlich der Ort, wo man am liebsten gerne wäre. Zuhause ist der Ort, wo man am liebsten ist. Es ist einfach dein Zuhause. Ein Zuhause kann man nicht in Worte beschreiben. Zuhause sind Gefühle, Umarmungen, Tränen, Momente, Erinnerungen, Familie, Streit, Liebe und Freundschaft.

Ich weiß gar nicht, wie ich das erklären kann, aber ich habe einfach Angst davor. Hier in Australien hat man keine Verpflichtungen. Man weiß, dass man zur Not einfach wieder zurückfliegen kann. Zurück zu Mami und Papi. Zurück in sein Nest. Das geht zuhause aber nicht. Wohin will man denn dann gehen? Man kann nicht einfach aus seinem Leben fliehen. Oder doch? Irgendwann muss man sich den Problemen wohl oder übel  stellen, denn man kann nicht ewig wegrennen.

Es sind ein paar Monate Auszeit von seinem Leben. Natürlich war es nicht immer nur eine schöne Auszeit. Familie und Freunde denken wahrscheinlich, dass das gar keine richtigen Probleme sind. Dabei sieht man es selbst als Weltuntergang. Sie haben aber leider recht. Es sind andere Probleme wie zuhause.

Ein Work and Travel Jahr im Lebenslauf stehen zu haben ist schon gut, aber was schreibt man denn dort rein. Man kann sich alles ausdenken. Manche arbeiten nur und manche reisen eben mehr. Work and Travel ist ein Begriff, den man nicht beschreiben kann. Es ist unbeschreiblich was man hier erlebt. Unbeschreiblich schön. Unbeschreiblich einfach. Unbeschreiblich schwierig. Unbeschreiblich traurig. Unbeschreiblich aufregend. Unbeschreiblich erfahrungsreich. Unbeschreiblich atemberaubend. Unbeschreiblich schmerzend. Unbeschreiblich schrecklich. Unbeschreiblich.

Niemand kann jemals verstehen, was man in diesem Jahr erlebt hat. Wie viel man über sich selbst gelernt hat. Wie weit man über sich selbst herausgewachsen ist. Es ist so verrückt. Ich hätte nie gedacht, dass dieses Jahr mich so verändern wird. Meine Sichtweise auf Dinge. Man lernt die Liebe und all ihre Seiten zu verstehen. Man lernt mit sich selbst klar zu kommen. Man lernt sich selber zu motivieren. Man lernt, dass man auch alleine in guter Gesellschaft ist. Man lernt Menschen kennen, die einen zum Nachdenken bringen. Man lernt die kleinen Dinge zu schätzen. Man lernt jeden Augenblick zu genießen. Man lernt wie wertvoll das Leben ist. Man lernt, dass jeder Atemzug ein wichtiger ist. Man lernt immer stark zu sein. Man lernt auch mal Schwäche zu zeigen. Man wird dankbar. Dankbar für sein Leben.

Niemand kann mein Problem momentan verstehen. Auch wenn sie es alle versuchen, weiß ich, dass sie nicht das fühlen, was ich fühle.

Ich bin sauer auf mich selbst, da ich weiß, dass ich damit meine Familie verletze. Ich meine ich sage, dass ich Angst habe nach Hause zu kommen. Aber ich habe nicht Angst vor meiner Familie. Nein, ich habe Angst vor mir. Vor meinem Leben.

Diese Woche werde ich meinen Rückflug buchen. Das heißt, dass man die Tage abzählen kann. Das heißt aber auch, dass ich nun jeden einzelnen Tag in vollen Zügen auskosten muss. Ich denke, dass das eine gute Entscheidung ist, denn so kann man sich noch eine Liste machen, was man noch alles erleben möchte.

Ich habe zwar keine Ahnung was mich danach erwartet, aber ich weiß, dass ich für mein Leben bereit sein werde wenn die Zeit gekommen ist.

Bis Sonntag!

Lara

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