Six months #27

Montag, 19.03

Sechs Monate Australien. Heute ist mein sechsmonatiges. Wahnsinn. Wie die Zeit verfliegt. Hätte meine Mama es mir nicht geschrieben, wäre es mir wahrscheinlich noch nicht mal aufgefallen. Vor sechs Monaten habe ich mein Zuhause verlassen. Meine geliebten vier Wände. Ich hätte nie gedacht, wo mich diese Reise hinbringen wird. Nie. Ich hätte auch niemals damit gerechnet, dass ich solange von zuhause weg bleiben werde. Woche für Woche hat mein Leben mir Herausforderungen gestellt und ich habe bis jetzt noch nicht aufgegeben. Das habe ich auch nicht vor. Was ich bis jetzt schon alles gesehen und erlebt habe. Unglaublich. Wie viele Menschen ich hier schon ins Herz geschlossen habe. Ich habe gelernt wieder zu vertrauen, das Leben zu genießen und einfach ich zu sein. Vor allem das Leben auf der Farm hat mir gezeigt, dass es nicht immer einfach ist, aber warum sollte man deswegen aufgeben. Das macht einen doch nur stärker. Sarah hat gemeint, dass Tom oft gemein ist, aber nein. Er ist nicht gemein. Er versucht dich nur in die richtige Richtung zu schupsen.

Dienstag, 20.03

Die Arbeit war ok. Nichts besonders. Vormittags haben wir Tomaten gewaschen. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie vergeht die Zeit am Morgen kaum und nachmittags rennt sie dann immer. Kann man eigentlich fast mit meiner Reise vergleichen. Am Anfang hat sich alles noch richtig gezogen und jetzt. In ein paar Wochen ist es vorbei. Die Tage verfliegen. Es ist schon fast April. Schon ein bisschen traurig. Nachmittags haben wir die Küche geputzt, denn die Farm wird morgen angeschaut und bewertet. Nach der Arbeit habe ich mich dann motiviert laufen zu gehen. Ich weiß nicht, ob es die beste Entscheidung war, denn nach einer halben Stunde war mein Körper ausgetrocknet. Ich habe mich noch nie so unsportlich gefühlt. Ich hoffe mal, dass das an dem Wetter liegt. An der Hitze und der Luftfeuchtigkeit. Irgendwie habe ich mir in den Kopf gesetzt, dass ich dieses Jahr wieder mal einen Halbmarathon laufen möchte, aber irgendwie weiß ich nicht, ob mir das Laufen wirklich noch Spaß macht. Das werde ich bestimmt noch herausfinden.

Mittwoch, 21.03

Der erste Day Off in dieser Woche. Nach einem Wochenende voller Arbeit. Endlich. Da Sarah morgen die Farm verlässt, wollten wir nochmal den letzten Tag zusammen genießen. Am Morgen machten wir uns auf den Weg zum Black Diamond Lake. Diesmal hatte der See eine komplett andere Farbe und es waren keine Menschen dort. Niemand. Wir waren die einzigen. Danach waren wir beim Stockton Lake, der mir um ehrlich zu sein noch besser gefallen hat. Eigentlich sollte man in den Seen nicht schwimmen oder zumindest nicht seinen Kopf unter Wasser tun, aber es war einfach unwiderstehlich. Nach dem Lunch zeigte ich Marvin und Sarah noch den Wellington Nationalpark mit den ganzen Pools. Es war ein richtig entspannter Tag. Es hätte auch Sonntag sein können. Was ich heute wieder festgestellt habe: es macht Spaß mit völlig „Fremden“ Zeit zu verbringen. Einfach mal machen und nicht groß darüber nachdenken. Hier bleibt mir auch nichts anderes übrig, denn sonst wäre es an einem freien Tag echt zu langweilig. Am Abend haben wir uns noch zusammen den Sonnenuntergang angeschaut. Es war richtig schön. Auf dem Land ist es halt einfach am schönsten. Hier kann man atmen, seine Gedanken schweifen lassen und einfach mal abschalten.

Donnerstag, 22.03

Die Arbeit war heute eigentlich ganz ok. Es war der erste Tag ohne Sarah, denn diese hatte heute frei. Wir pflückten mal wieder Tomaten. Was ganz neues. So langsam merke ich meinen Rücken. Ich werde alt. Ich habe vollen Respekt vor meiner Oma, die früher in den Weinbergen gearbeitet hat. Ich weiß nicht wie lange ich das ausgehalten hätte. Nach einer Zeit gewöhnt man sich zwar daran, aber am Abend denkt man sich auch nur: wie alt bin ich jetzt nochmal? Ich freue mich definitiv schon auf Bali und auf eine Massage. Das habe ich mir dann doch auch verdient oder? Nach den Mittagessen haben wir Sarah zum Bus gebracht. Tom war heute den ganzen Tag nicht bei der Arbeit, denn er hat einen entzündeten Zeh, möchte nicht zum Arzt gehen und hat starke Schmerzen. Deshalb ist er ganz harmlos, was auch seine guten Seiten hat. Nach der Arbeit wollte ich noch spazieren gehen. Aus dem Spaziergang wurde dann ein Intervall-Training. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie habe ich das gebraucht. Das Gefühl danach. Wie ich es vermisst habe. Das Abendessen ohne Sarah war sehr komisch. Es war irgendwie so wie eine Familie und jetzt fehlt einer. Ich könnte mir das nicht vorstellen, dass man Leute immer kommen und gehen sieht. Schon irgendwie traurig. So ist das Leben.

Freitag, 23.03

Die Arbeit war heute richtig entspannend. Aydo hatte sogar gute Laune. Das so etwas mal passieren würde, hätte ich nicht gedacht. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass Sarah weg ist oder weil er einen neuen Hund hat. Die Arbeit war noch nie so gut wie heute. Wir hatten richtige witzige Gespräche und es hat einfach Spaß gemacht. Ich hatte noch nie Probleme mit Tom oder Aydo, aber Sarah hat sich irgendwie viel zu sehr reingestresst. Man darf einfach alles nicht so ernst nehmen, das macht das Leben viel einfacher und schöner. Und was bringt dir der Stress? Außer Falten wahrscheinlich nichts.

Samstag, 24.03

Heute hatte ich wieder frei. Irgendwie hatte ich Lust shoppen zu gehen. Deshalb machten Marvin und ich uns auf den Weg nach Busselton. In Busselton war ganz schön was los. Als erstes haben wir uns einen Skate-Contest angeschaut. Danach haben wir ein Festival für equal Marriage gefunden und später noch eine Oldtimer-Show. Natürlich habe ich nichts gekauft. Da geht man einmal mit der Einstellung „ich möchte unbedingt was kaufen“ los und findet natürlich nichts. So wie immer. Marvin hat mich sogar überredet auf den Steg zu gehen, denn eigentlich sehe ich es überhaupt nicht ein für einen Steg $4 zu bezahlen. Auch wenn es der längste Steg der Welt ist. Was ich ehrlich gesagt nicht ganz glaube. Bei schönem Wetter wäre das alles wahrscheinlich noch schöner gewesen.  Auf der Heimfahrt habe ich gemerkt wie ich das Autofahren vermisse. Ich liebe es einfach und freue mich schon, wenn ich Zuhause wieder rumdüsen kann.

Sonntag, 25.03

Ach. Keine Ahnung was heute los war. Ich war richtig unmotiviert, hatte keine Lust auf gar nichts und habe mich einfach nicht wohl gefühlt. Heute Nacht habe ich mal wieder von einer ehemaligen Freundin geträumt. Ich werde wohl nie damit abschließen können. Abends habe ich versucht mit Tom darüber zu reden und er hat mir echt weitergeholfen. Als ich mit Jakob telefoniert habe, habe ich erstmal angefangen zu heulen. Einfach so. Einfach mal wieder weinen. Es hat so gut getan. So so gut. Ich weiß nicht, warum ich genau geweint habe, aber ich fühle mich jetzt definitiv besser. Es gibt immer mal schlechte Tage, aber von diesen sollte man sich nicht runterziehen lassen. Man kann nicht immer stark sein und es ist auch völlig menschlich Gefühle oder Schwäche zu zeigen.

Diese Woche hat echt viele Überraschungen mit sich gebracht! Ich hätte echt nicht gedacht, dass es auf der Arbeit gut läuft. Ich hatte Panik, als Sarah gegangen ist, aber habe festgestellt, dass ich das auch alleine hinbekomme.

Diese Woche habe ich auch gemerkt, dass man Schwäche auch zeigen kann. Sogar Tom, der so tut als hätte er keine Gefühle. Die Woche hat ziemlich emotional geendet. Jetzt bin ich bereit für die neue Woche!

xoxo

Lara

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Ein Gedanke zu “Six months #27

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