First week alone #32

Montag, 23.04

Heute Morgen ist Nadine gefahren. Ich habe keine Ahnung wie es wird ohne sie. Bald bin ich nur unter Jungs, denn Leonie muss nächste Woche wieder anfangen zu arbeiten. Die Arbeit war ziemlich entspannt. Tom und ich haben den Platz wieder halbwegs in Ordnung gebracht. Es schaut echt aus als wäre dort ein Autorennen gewesen. Ich habe diesen Platz erst letzte Woche entdeckt und habe mir gedacht, wie schön es dort ist. Den Rest des Tages hatte ich frei, denn Tom meinte, dass diese Woche anstrengend genug wird. Mit der Ostküste hat sich leider immer noch nichts richtiges ergeben. Ich habe keine Ahnung, ob wir jetzt zu zweit, zu dritt oder zu viert fahren. Oder ob ich überhaupt fahren werde.

Dienstag, 24.04

Puh. Momentan bin ich so unkreativ. Was kann ich dir denn erzählen. Es ist nicht immer spannend. Nein, arbeiten ist echt nicht spannend. Oft auch nicht spaßig, aber trotzdem möchte ich es durchziehen. Aufgeben wäre einfach, aber ich weiß, dass der schwierige Weg auch zu meinem Ziel  führt. Australien ist nicht immer ein Abenteuer. Australien ist auch viel Arbeit und das ist ok, denn im Nachhinein kann man so stolz auf sich sein. Im Nachhinein werde ich nur das sehen, was ich geschafft habe, was ich mir alleine aufgebaut habe. Ich werde das sehen, was andere nie von mir erwartet hätten. Ich werde stolz auf meine Erlebnisse, meine Arbeit und mein Abenteuer sein. Aber vor allem stolz auf mich, denn ich hätte das alles nie für möglich gehalten. Ich hätte nie gedacht, dass ich es alleine so weit schaffen kann. Alleine schon die Tatsache, dass ich alleine bin. Alleine in einem fremden Land. Hätte ich das vor einem Jahr jemanden erzählt, er hätte mich ausgelacht. Auch ich hätte gedacht: ja, ja Träume kann man ja haben, aber dass ich diesen Traum gerade wirklich lebe ist so unwirklich.

Mittwoch, 25.04

Heute war mal wieder Picking angesagt. Es tut mir echt schon ein bisschen weh, aber wir reißen jetzt auch die ganzen Paprika-Sträucher heraus. Verrückt, was man als Farmer alles töten muss, nur damit sich der Boden ausruhen kann. Natürlich verstehe ich das auch, aber du weißt gar nicht wie viele Paprikas noch an diesen Sträuchern hängen. Nachmittags haben wir Rote Beete gepflückt. Die Arbeit ist eigentlich echt gut. Ich habe mir viel zu viele Sorgen gemacht, dass ich es alleine nicht schaffen kann. Natürlich habe ich schon viel Verantwortung, aber damit kann ich eigentlich gut umgehen. Mein Problem ist nur immer noch die Ostküste. Es gehen mir einfach so viele Sachen durch den Kopf und ich möchte endlich Klarheit. Ich setzte mir jeden Tag neue Deadlines und verschiebe sie dann immer. Was mich ein bisschen ärgert, dass ich noch unter 21 bin, denn sonst wäre das Auto so viel günstiger. Richtig unfair.

Donnerstag, 26.04

Auf einer Farm zu arbeiten fordert einen richtig körperlich. Nach der Mittagspause war ich so fertig, da wir heute die Tomaten-Sträucher herausgerissen haben. Nach der Arbeit wollte ich mir noch ein bisschen die Beine vertreten. Meine Gedanken ordnen. Also bin ich einfach losgerannt. Früher hat das immer perfekt geklappt um einen klaren Kopf zu bekommen. Eigentlich habe ich totale Luxusprobleme. Wirklich. Oh. Es ist schon peinlich darüber zu schreiben, dass man keinen genauen Plan für seine letzte Reise hat. Aber es ist meine letzte. Meine letzte Reise in Australien. Ich möchte einfach, dass es perfekt wird. Die Westküste war so wunderschön und ich hoffe, dass ich genau so perfekte Momente erleben werde. Momente, die ich nie vergessen werde. Momente, die ich mit Menschen teilen kann. Momente, die mich glücklich machen.

Freitag, 27.04

Heute ist der letzte Abend, an dem Leonie da ist. Morgen fährt sie wieder nach Leonora. 14 Stunden Autofahrt trennen sie von ihren Liebsten. Für mich ist das momentan nichts. Wäre ich nur 14 Stunden von meiner Familie entfernt, wäre ich so glücklich, aber ich weiß auch, wie es ist, wenn die Familie im Land verstreut wohnt. Egal wie viele Minuten man auseinander wohnt, man sieht sich viel zu selten. Wirklich viel zu selten. Es ist schon traurig und das habe ich erst hier festgestellt. 21 Stunden Flug, das ist echt schon lange, aber eine vier-stündige Autofahrt kann man doch eigentlich mal auf sich nehmen um seine Liebsten zu sehen. Meistens sieht man sich nur an Weihnachten oder an Geburtstagen, aber warum kommen wir nicht auf die Idee sich einfach mal so zu treffen. Einfach mal spontan sein.

Samstag, 28.04

Heute war Volunteer-Work angesagt. Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust, aber Jack hat gemeint: was tut man denn nicht alles für die Gesellschaft. Also gehöre ich wohl jetzt offiziell zu Balingup. Es war echt schön so viele Leute zu sehen, die ein Projekt unterstützen. Wir haben den Golden Valley Tree Park aufgeräumt, da er von dem Regen zerstört worden ist. Ich war vorher noch nie dort und ich muss sagen, dass ist auf jeden Fall der schönste Fleck von Balingup. So friedlich. So ruhig. So wunderschön. Nachmittags habe ich noch ein bisschen zusätzlich gearbeitet. Ich habe drei Stunden nur Unkraut gejätet, aber mit der richtigen Musik war das halb so schlimm.

Sonntag, 29.04

Mein Day Off für diese Woche. An jedem anderen Tag hätte ich mir gewünscht, dass ich heute nicht arbeiten muss, aber irgendwie wenn man dann mal frei hat, weiß man auch nicht, was mit seiner Zeit anstellen soll. Nach dem Aufstehen war ich erstmal laufen. Ich bin momentan echt stolz auf mich. Nach dem Sport-Abi hatte ich irgendwie nicht mehr große Lust auf das Laufen. Jetzt entdecke ich gerade wieder meine Liebe am Laufen. Das Laufen hat mir früher immer geholfen. Es war mein Retter. Mein Seelenheiler. Meine Auszeit vom Leben.

So jetzt weißt du auch, was ich letzte Woche erlebt habe. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hatte ich keine Motivation diesen Artikel hochzustellen. Jeder stellt sich Australien bestimmt wunderschön vor. Es ist auch wunderschön, aber irgendwie muss man halt auch was dafür tun. Ich schäme mich nicht dafür. Nein. Das ist eben momentan mein Leben. Es ist nicht immer aufregend. Es kann auch einfach mal normal sein. Am Anfang habe ich gedacht, dass es niemanden interessiert, was ich erlebe während ich arbeite , aber jetzt habe ich mir ein Herz gefasst. Ich möchte dir einfach alles von meinem Abenteuer zeigen und das gehört nunmal dazu.

Bis Sonntag!

Lara

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