Breakfast with the police #34

Montag, 07.05

Endlich mal wieder arbeiten! Ja endlich. Die letzten Tage waren zwar echt entspannend, aber irgendwie ist es mal gut wieder etwas zu machen. Ich bin einfach nicht der Typ, der den ganzen Tag im Bett liegen kann. Heute hat Aydo gekündigt. Es ist richtig schade. Als ich ihn kennengelernt habe, hat er mir erzählt, dass er schon dreizehn verschiede Berufe hatte. Jetzt weiß ich auch warum, da er immer wegrennt. Ich meine es ist zwar einfach wegzurennen, aber das Beste ist das meiner Meinung nicht. Die Arbeit heute war richtig interessant, da ich viel von Jack gelernt habe. Wir haben die Scheiben für einen Traktor geschliffen. Also es war nicht für den Traktor, sondern für dieses Hinterteil mit dem man den Boden lockert. Es war mal komplett anderes und hat echt Spaß gemacht. Vielleicht werde ich jetzt Mechaniker.

Dienstag, 08.05

Irgendwie ist diese Woche echt entspannend. Ich hatte schon ein bisschen Panik, dass es jetzt total stressig wird, da Aydo nicht mehr da ist. Tom macht sich zwar ziemlich Sorgen um ihn, aber ist eigentlich ziemlich gelassen. Vielleicht auch, da jetzt Winter wird und er weiß, dass nicht mehr so viel Arbeit ansteht. Eigentlich wollten wir heute pflanzen, aber es ist immer noch kein Regen angesagt, deshalb müssen wir noch warten. Am Abend bin ich in das Dorf gelaufen und habe ein paar meiner Klamotten gespendet, da ich unbedingt ausmisten muss. Ich habe keine Ahnung wie ich alles in meinen Backpack bekommen soll. Ich bin so ein Mensch, der sich total schwer von seinen Sachen trennen kann. Deshalb ist das hier eine gute Chance mal auszumisten. Bevor ich nach Deutschland fliege, möchte ich dann den Rest meiner Sachen spenden. Bin mal gespannt, ob ich das wirklich durchziehen werde.

Mittwoch, 09.05

Heute Morgen sind Jack und ich nach Bunbury gefahren, da Toms Auto in der Werkstatt ist. Ich bin echt stolz auf mich, da Tom gemeint hat, dass er niemals mit einem Deutschen fahren würde, da wir angeblich nicht Auto fahren können. So eine Lüge. Anscheinend habe ich ihn überzeugt, dass man doch mit einem Deutschen fahren kann. Er hatte zwar am Anfang ein bisschen Panik, aber nach ein paar Minuten wirkte er schon entspannter. Meine Eltern haben mich auch perfekt aufs Auto fahren vorbereitet. Dafür bin ich ihnen ganz schön dankbar, da das begleitete Fahren mir echt geholfen hat. Ich liebe es einfach Auto zu fahren und ich freue mich schon so auf Deutschland. Wenn ich endlich wieder in das Auto steigen kann und überall hinfahren kann, wo ich möchte. Ich freue mich auf das Auto fahren mit meinen Eltern und natürlich mit meiner Schwester!

Donnerstag, 10.05

Mein letzter Arbeitstag. Ich kann es noch gar nicht glauben. Heute haben wir Bohnen gepflanzt. Das war anstrengender als gedacht, da man sie in einem bestimmten Abstand in eine Maschine werfen musste. Hört sich zwar nicht anstrengend an, aber man musste sich echt konzentrieren. Nachmittags haben Jack und ich Brownies gebacken. Glutenfreie Brownies. Am Abend haben wir ein Lagerfeuer gemacht, da es mein letzter Abend war. Richtig schön. Es war ein perfekter letzter Tag und ich werde die Farm richtig vermissen. Ich habe hier so viel gelernt, bin über mich hinausgewachsen, bin erwachsener geworden und habe gelernt das Leben zu lieben.

Freitag, 11.05

Als ich heute morgen aufwachte, fühlte es sich alles so an wie ein Traum. Es fühlte sich einfach nicht so an, als würde ich die Farm verlassen. Der Abschied war ganz schön schwer, aber irgendwie auch richtig unrealistisch. Als ich mit dem Bus in Perth ankam, machte ich mich sofort auf den Weg zum Flughafen. Ich hatte zwar noch drei Stunden Zeit, aber ich hasse es mit meinem Backpack durch die Gegend zu laufen, da ich einfach ein Hindernis bin. Außerdem schauen einen die Leute immer an, als wäre man ein Außerirdischer. Am Flughafen wartete das nächste Abenteuer auf mich, da bei Virgin Australia keine Menschen mehr arbeiten. Also musste ich meinen Backpack selbst einchecken. Ich hoffe, dass er ankommt. Jetzt sitze ich im Flugzeug und habe einen kleinen Heulanfall. Ok, so klein ist er auch nicht. Es fühlt sich einfach alles so unwirklich an. So als hätte ich nichts erlebt. So als wäre das alles nur ein Traum. Ich frage mich, ob ich wirklich jeden Moment genossen habe, ob ich immer die richtigen Entscheidungen getroffen habe. Ich fühle mich so leer. Ich habe mich immer auf das Ende gefreut und jetzt stehe ich kurz davor und weine. Ich habe in Western Australia einfach so viel erlebt. Ich hatte eine wunderschöne Zeit mit Judith, habe hart gearbeitet und habe mit einer australischen Familie gelebt. Ich habe so viele einzigartige Momente erlebt, die ich nie missen möchte. Ich weiß, dass ich alles richtig gemacht habe, aber im Moment fühlt sich einfach alles falsch an.

Samstag, 12.05

Um 5 Uhr landete  der Flieger in Brisbane. Ich konnte zum Glück auf dem Flug die ganze Zeit schlafen. Das habe ich auch gebraucht, da ich gestern auch Fieber hatte. Vielleicht war ich deswegen auch so weinerlich. Da ich mich mit Casandra erst um 12 Uhr getroffen habe, habe ich mich noch an den Flughafen gesetzt und geschlafen. Richtig backpackermäßig. Als ich wieder aufwachte, waren um mich herum so viele Leute, aber ich war wenigstens ausgeschlafen. Mit Casandra habe ich mich an der Central Station getroffen. Wir haben uns von Anfang an richtig gut verstanden. Eigentlich richtig komisch. Man kennt sich erst ein paar Stunden und es fühlt sich so an, als würde man sich schon ewig kennen. Ich bin richtig froh darüber! Für die Nacht haben wir einen Couchsurfer gefunden, als wir bei ihm ankamen, waren wir erstmal geschockt. Es sah alles ziemlich runtergekommen aus. Außerdem wusste der Couchsurfer nicht wie viele Leute in seinem Haus wohnen. Richtig komisch, aber es ist umsonst, also darf man sich nicht beschweren. Nachmittags machten wir erstmal die Queens Street unsicher. Es ist so komisch wieder in einer Stadt zu sein. Ich war total überfordert. So viele Menschen, das war ich überhaupt nicht mehr gewöhnt. Bin halt ein richtiges Dorfkind. Am Abend haben wir noch andere deutsche Backpacker kennengelernt, die auch dort schlafen. Jetzt kann wohl das Reisen losgehen!

Sonntag, 13.05

Heute Morgen als ich beim Frühstück saß, stand auf einmal die Polizei vor mir. Ja, die Polizei! Diese haben unseren Couchsurfer gesucht. Es war richtig gruselig, da ungefähr fünf Officer da waren. Sie waren auch total nett und haben nur gemeint, dass wir  nicht so lange bleiben sollen, da es hier gefährlich ist. Hilfe! Das war ein ganz schöner Schock. Wir haben zwar keine Ahnung, was sie wollten, aber es ist ja nie ein gutes Zeichen, wenn man von der Polizei gesucht wird. Danach hat uns ein Australier abgeholt, den wir über Facebook gefunden haben. Vielleicht werden wir mit ihm reisen. Vielleicht auch nicht, das werden wir heute herausfinden. Mit ihm haben wir die Fähre zu Stradbroke Island genommen. Es war so wunderschön dort. Wie ich das Meer vermisst habe! Jim hat uns dann erstmal auf einen Kuchen eingeladen. Danach haben wir ein paar Beachwalks gemacht. Es hat sich so angefühlt wie in Sydney. Ach ich bin einfach froh wieder an der Ostküste zu sein! Jetzt haben wir nur ein kleines Problem, da wir nicht wissen mit wem wir jetzt reisen sollen. Eigentlich dachten wir, dass Nick, der deutsche Backpacker, keine Lust auf uns hat, aber als wir ihm abgesagt haben, hat er gemeint, dass er sich schon voll drauf gefreut hat. Jetzt haben wir ein total schlechtes Gewissen und werden wahrscheinlich doch mit ihm fahren, da wir jetzt wenigstens wissen, dass er auch mit uns fahren möchte. Außerdem ist es richtig blöd so kurzfristig abzusagen. Wir hatten die ganze Zeit Panik, dass er uns absagt und jetzt wollten wir ihm absagen. Richtig unfreundlich von uns. Jetzt sind wir bei Jim, denn dieser lässt uns heute Nacht in seinem Strandhaus schlafen. Wir dachten eigentlich, dass es in der Nähe von Brisbane ist, aber jetzt sind wir 45 Minuten davon entfernt. Naja, wenigstens konnten wir hier duschen, denn in die Dusche vom Couchsurfer wäre ich niemals gegangen. Für Byron Bay haben wir jetzt auch einen Lift gefunden, hätte nie gedacht, dass es so einfach ist. Perfekt.

Puh. Was für eine Woche. Weinen im Flugzeug.  Neue Stadt. Ein Couchsurfer, der von der Polizei gesucht wird. Zwei Lift offers. Ich habe keine Ahnung wie die nächste Woche verlaufen wird. Ich weiß nur, dass es spannend bleibt.

Ich habe keine Ahnung was mit mir im Moment los ist. Ich habe echt Angst, dass ich die falsche Entscheidung mit dem Rückflug getroffen habe. Ich war mir doch die ganze Zeit so sicher! Momentan fühle ich mich einfach so leer. Es fühlt sich so an, als wäre das alles ein Traum. Irgendwie ist es auch ein Traum, aber ich lebe ihn gerade.

Aber jetzt mal weg mit den ganzen Gedanken! Jetzt wird erstmal die Zeit genossen. Außerdem sind diese ganzen Gedanken ganz umsonst, da ich weiß, wenn ich zuhause bin, werde ich glücklich sein.

Bis bald!

Lara

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