Reifenpanne #36

Montag, 21.05

Eigentlich wollten wir heute nach Fraser, doch die Frau im Info-Center meinte, dass wir lieber morgen gehen sollten, da wir ein bisschen zu spät dran waren. Wir buchten schonmal die Campingplätze und holten uns die Erlaubnis, dass wir mit dem Auto auch auf Fraser Island fahren dürfen. Danach schauten wir uns den Rainbow Beach an. Das Highlight des Tages war auf jeden Fall das Sandbowl im Sandy Nationalpark. Einfach mal ein riesiger Sandkasten mitten im Nirgendwo. Es war atemberaubend schön. Der Sand, das Meer. Wir sind rumgerannt, haben getanzt und waren einfach glücklich. Casandra wollte überhaupt nicht mehr gehen. Nachmittags sind wir zu unserem Campingplatz gefahren. Dem wohl schönsten Campingplatz, den wir bis jetzt hatten. Er war direkt am Strand. Deswegen machten wir dort erstmal ein Workout. Wie ich es vermisst habe. Eigentlich habe ich mir vorgenommen jeden Tag etwas Sport zu machen, aber leider geht das während dem Reisen nicht so gut, da es auch schon so früh dunkel wird. Heute haben wir unser erstes Lagerfeuer gemacht. Es war zwar ziemlich klein, aber hat schön gewärmt. Morgen hat Nick Geburtstag. Eigentlich wollten wir reinfeiern, aber irgendwie waren wir alle so müde und zudem müssen wir morgen um 6 Uhr aufstehen, da das die beste Zeit ist um auf Fraser zu fahren. 

Dienstag, 22.05

Der wohl spannendste Tag der Woche. Vielleicht auch meiner Reise. Heute hat Nick Geburtstag. Am Morgen machten wir uns auf den Weg zur Fähre, die nach Fraser Island fährt. Es hat alles perfekt geklappt und auch das Fahren im Sand war richtig gut. Hat sich fast so angefühlt, als würde man im Schnee fahren. Ich bin Nick richtig dankbar, dass ich auch mit seinem Auto fahren darf. Ich denke, dass das nicht viele gemacht hätten. Unser erster Stopp war Elli Creek, das ist ein richtig schöner Fluss. Es sah aus wie in einem Film. Wir haben uns auch das kaputte Schiff angeschaut. Am Strand zu fahren ist so unbeschreiblich schön. Man fühlt sich so frei. Einfach unbeschreiblich. Nachmittags wollten wir die 4WD Stecke fahren, die ins Landesinnere führt. Es war eine ziemlich ruckelige Angelegenheit, aber war auch echt aufregend. Nachdem wir uns einen Fluss angeschaut hatten, wollten wir eigentlich weiterfahren. Wir sind auch weitergefahren, doch irgendwann bemerkten wir ein komisches Geräusch. Als erstes dachten wir uns nichts dabei, denn manchmal macht der Sand auch komische Geräusche. Nach einer halben Stunde kamen wir auch mal auf die Idee nachzuschauen, woher es kommen könnte. Tja. Da standen wir nun. Mitten auf der Insel. Mitten im Wald mit einem kaputten Reifen. Alles kein Problem dachten wir. Ich habe auf der Farm gelernt Reifen zu wechseln. Das war also nicht das Problem. Das Problem war erstens, dass der Wagenheber, dass Auto nicht hochheben konnte, da er zu klein war und zweitens, dass wir nicht das Werkzeug hatten den Ersatzreifen zu lockern. Die Situation war eigentlich ziemlich aussichtslos, trotzdem mussten wir erstmal lachen. Also warteten wir darauf, dass irgendein anderes Auto kam. Es kam aber keins, also entschieden wir uns damit weiterzufahren. Als uns endlich ein Auto entgegen kam, sprangen wir erstmal alle aus dem Auto. Die Leute versuchten uns zu helfen, aber sie hatten leider auch keine Ahnung wie man an den Ersatzreifen kommen sollte. Also meinten sie zu uns, dass wir versuchen sollten zum Strand zu fahren. Der Reifen war schon richtig kaputt, aber war sollten wir alles machen. Irgendwann erreichten wir ein Camp von den Touren hier auf Fraser. Weiter kamen wir nicht, denn der Reifen war komplett kaputt. Die Männer dort konnten uns auch nicht helfen, da sie keinen Toyota haben. ich dachte schon daran, dass das das Ende unserer Reise ist. Aber wir hatten Glück. Es kam ein Toyota-Fahrer vorbei, der uns den Ersatzreifen lockern konnte. Was hätten wir ohne ihn getan? Das Reifen wechseln war das einfachste vom Tag. Nach der ganzen Aktion waren wir so froh, dass alles geklappt hat. Pure Lebensfreude. Unsere Reise geht weiter! Abends konnten wir darüber nur noch lachen. War für ein aufregender Geburtstag. So etwas erlebt man nicht jeden Tag. Ich bin echt froh, dass ich auf der Farm war, denn sonst hätte ich nie gewusst, wie man einen Reifen wechselt. 

Mittwoch, 23.05

Von dem einem Abenteuer zum nächsten. Gestern Abend haben wir noch lecker gekocht. Casandra und Nick haben ihre Nudeln aber nicht aufgegessen, deswegen stellten wir diese ins Zelt. Nicht die beste Idee im Nachhinein. Was aber eine gute Idee war, dass wir uns dazu entschieden haben zu dritt im Auto zu schlafen, da es gestern Nacht einfach zu kalt war. Es war zwar richtig kuschelig, aber es war gut, dass Nick nicht im Zelt geschlafen hat. Denn heute Nach waren Dingos da und haben das komplette Zelt zerstört. Gestern der Reifen. Heute das Zelt. Zum Glück ist nichts passiert. Heute haben wir uns die ganzen Seen angeschaut. Leider hatten wir nicht so Glück mit dem Wetter, aber es war trotzdem schön. Ich hatte die ganzen Zeit Panik, dass ein anderer Reifen platz, denn wir haben ja keinen Ersatzreifen mehr und heute war die strecke echt schrecklich. Wir sind über Wurzeln, Bäume und richtige Schluchten gefahren. Beim Abendessen wurden wir von einem Dingo besucht. Wir sind einfach ruhig geblieben und dann ist er weggegangen. Ich hatte vor dem Dingo nicht so viel Angst wie vor den Hunden von unseren Nachbarn. Allgemein habe ich hier in Australien gelernt, dass Hunde auch lieb sein können. Ich vermisse die kleine Nora von der Farm, die mich morgens immer freudig begrüßt hat und abends mir mir gekuschelt hat. 

Donnerstag, 24.05

Der letzte Morgen auf Fraser Island. Ich machte erstmal einen langen Strandspaziergang. Alleine. Ich habe einfach mal Zeit für mich gebraucht. Zeit um die ganzen Dinge zu verarbeiten. Zeit um darüber nachzudenken, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Letzte Woche wollte ich noch mein zweites Jahr machen, aber das Erlebnis vom Dienstag hat mir gezeigt, dass nicht alles immer perfekt ist. Ich hatte/ habe eine echt aufregende Zeit in Australien und ich habe mich definitiv in dieses Land verliebt. Dennoch denke ich, dass ein Jahr genug ist. Irgendwann wird es auch mal Zeit für mein Leben. Das hier ist zwar auch mein Leben, aber halt auch ein bisschen Urlaub. Ich freue mich auf zuhause und werde Australien mit einem lachenden und weinenden Auge verlassen. Ich bin dankbar für die ganzen Momente und freue mich auf mein nächstes Abenteuer. Ich kann es jetzt schon gar nicht erwarten Neuseeland unsicher zu machen. Kann das Studium bitte schnell rumgehen? Mittags waren wir in Gympie. Nick hat sich neue Reifen für das Auto gekauft und wir waren shoppen. Ich kaufe jetzt schon die Souvenirs, die ich mit nach Hause nehmen werde. Mein Backpack ist zwar echt voll, aber es wird dieses Auto auch nicht mehr verlassen, da es jeden Tag mehr kaputt geht. Nick hat zufälligerweise das gleiche Backpack. Ich habe davor noch niemanden getroffen, der auch die Marke hat. Jetzt wird es wohl wirklich Zeit für einen Koffer. Ich habe eigentlich gedacht, dass ich das Backpack nicht wegschmeißen werde, aber leider bleibt mir nichts anderes übrig. 

Freitag, 25.05

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Harvey Bay. Dort duschten wir erstmal und spazierten dann am Strand. Obwohl man es nicht richtig Strand nennen kann, denn es war Ebbe und das Wasser war richtig weit draußen. Überall waren Krebse, die so schön aussahen. Es sah so aus, als würden sie kleine Perlen auf ihrem Rücken transportieren. Eigentlich wollten wir heute in die Bücherei um unsere Handys aufzuladen, aber leider hatte diese geschlossen, da irgendein Feiertag ist. Naja so wichtig sind die Handys auch nicht. Danach sind wir nach Bundaberg gefahren, der Ort, wo die meisten ihre 88 Tage Farmarbeit machen. Es hat mich alles total an die Farm erinnert. Im Visitor-Center haben wir uns darüber informiert, was man hier machen kann. Nachmittags haben wir uns die bekannte Rumfabrik angeschaut und auch den Ort, wo die Bundaberg Limonade hergestellt wird. Ich habe sie auch endlich mal probiert, aber ich muss sagen, dass ich kein Fan bin. Es ist einfach viel zu süß für mich und danach war mir echt schlecht. Abends waren wir beim Hummock Lookout und haben dann noch einen Spaziergang am Strand gemacht. Der Weg führte uns zu einem Sportplatz. Dort war eine Weitsprunganlage und ich habe sofort wieder Lust auf Leichtathletik bekommen. Ich hoffe, dass ich zuhause das mit dem Sport wieder hinbekomme. Ich fühle mich zwar nicht unwohl in meinem Körper, aber das Fitnessstudio vermisse ich schon sehr. Heute waren wir wieder bei Guzman Y Gomez essen und danach in einem Biergarten. Dort haben wir den Abend ausklingen lassen. 

Samstag, 26.05

Heute waren wir in Agnes Water. Dort haben wir einen Walk zum 1770 Strand gemacht. Ich hatte überhaupt gar keine Erwartungen, da mir Laura erzählt hat, dass man dort echt nicht hin muss. Trotzdem bin ich froh, dass wir dort waren. Die Aussicht war richtig schön! Die Stimmung war heute leider nicht so gut. Keine Ahnung warum. Ich hatte eigentlich echt gute Laune. Naja so einen Tag muss es auch mal geben. Nachmittags sind wir nach Gladstone gefahren um einzukaufen. Dort haben wir uns ein bisschen an den Strand gesetzt und uns ausgeruht, da wir heute ziemlich Auto gefahren sind und noch fahren werden, da zwischen Agnes Water und Mackay echt nicht viel ist, was man sehen kann. Jetzt sind wir auf dem Weg zum Campingplatz. Ich liebe die Autofahrten eigentlich richtig, denn es ist fast so wie in einer Karaokebar.

Sonntag, 27.05 

Am Morgen sind wir nach Mackay gefahren. Im Visitor-Center haben wir die nettesten Mitarbeiter getroffen. Sie waren sogar schonmal in Deutschland. Mit ihnen haben wir erstmal ein wenig gequatscht und uns Tipps geholt. Mittags sind wir erstmal ein bisschen shoppen gegangen. Irgendwie haben wir uns in den Einkaufszentrum die ganze Zeit verlaufen und richtig gefunden habe ich auch nichts. Die ganze Zeit habe ich immer Koffer gefunden und jetzt wo ich einen brauche gibt es natürlich keine mehr. Nachmittags waren wir an Wasserfällen. Eigentlich hätten wir als erstes wandern sollen und dann ins Einkaufszentrum, denn zum Ende hin würde es schon sehr dunkel, aber es war richtig schön. Nick war sogar schwimmen. Ich wollte eigentlich auch, aber das Wetter war irgendwie nicht so das beste und ich habe keine Lust krank zu werden. Jetzt sind wir am Campingplatz und reden noch ein bisschen. Die letzten Tage hatten wir uns nicht so die schönsten Plätze rausgesucht. Immer an der Straße und sehr laut. Wird mal wieder Zeit für einen ruhigeren.

Was für eine Woche. Meine 36. Woche. Wie die Zeit vergeht. Heute habe ich mir gedacht, dass ich eigentlich mal meine ganzen Einträge durchlesen müsste. Am Anfang war alles eher negativ. Ich bin von Woche zu Woche gewachsen. Habe viel erlebt: positives und negatives. Das wichtigste jedoch ist, dass ich nie aufgegeben habe. Ich habe nie aufgeben an mich zu glauben, zu kämpfen und zu genießen. Jeder Tag war ein Abenteuer. Jeder Tag hat mich gestärkt. Jeder Tag war anders. Wenn ich wieder zuhause bin, möchte ich mir das auf jeden Fall beibehalten. Ich möchte jeden Tag leben, als wäre es der letzte. Jede Minute in vollen Zügen genießen. Abends glücklich ins Bett fallen. Natürlich gab es auch viel negatives, aber im Nachhinein sieht man immer nur die guten Dinge, denn nur diese zählen. Die schlechten Dinge sollte man zwar nicht vergessen, denn nur durch diese sind die guten entstanden. Was wäre ein Leben ohne Ups and Downs? Auf jeden Fall keine Achterbahnfahrt. Auf jeden Fall weniger spannend. Auf jeden Fall kein Abenteuer. Egal wo du gerade bist, versuche dein Abenteuer zu genießen.

xoxo

Lara

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